Teil eines Werkes 
Zweiter Band (1811)
Entstehung
Seite
72
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den Tod beider Eltern erloſchen, ſo muß freilich der Vormund auch die Vorſorge für die Perſon des Schutzbedürftigen übernehmen. Aber auch nurin⸗ ſofern und in dieſer Hinſicht iſt die Vormund⸗ ſchaft ein Surrogat der väterlichen Gewalt. Vor⸗ ſorge für die Perſon gehört eben ſo wenig weſent⸗ lich in die Hände des Vaters. Rur aus Konveni⸗ enz wird jene dem Vormund des Paterloſen vom Ge⸗ ſetz, und dieſe dem Vater des Minderjährigen von der Familie nach der Verordnung des Geſetzes übertragen.

Dies ſcheint mir die Grundanſicht der franzöſi⸗ ſchen Geſetzgebung. So geht alles mit Konſequenz aus oberſten Principien hervor. Eine andere Meta⸗ pbyſik ihrer Verfügungen kann ich nicht herausbringen.

Aber dieſe Grundanſicht ſcheint mir falſch.

Die väterliche Gewalt iſt ein Inſtitut der Ra⸗ tur, nicht des Geſetzes. Sie umfaßt die Perſon und die Güter des Kindes. Die Gewalt über jene iſt von der Verwaltung und Aufſicht über dieſe, ihrem Weſen nach unzertrennlich. Der väterliche Genuß der Güter des Kindes iſt keineswegs Vergütung für die Koſten und Laſten der Erziehung, ſondern folgt aus der innigen, in der väterlichen Gewalt enthalte⸗ nen Naturverkuüpfung. Er muß daher ſo lange fortdauern, als die väterliche Gewalt ſelbſt, und dieſe kann nur dann erlöſchen, wenn Eltern und Kinder aufßören, eine Familie zu bilden. Es iſt da⸗ her nicht naturgemäß, die Erlöſchung der väterlichen