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Wollte man das droit écrit, die coutumes locales et générales als poſitives Geſez ſubſidiariſch beybehalten, ſo mußte der nem, liche Richter in der nemlichen Inſtanz, in ei⸗ nem Fall nach einer Regel entſcheiden, welche in einem andern als geſezwidrig verwerflich war. Ein abſolntes nicht unbedeutendes Uebel, vermehrt als relatives Uebel durch den Widerſpruch mit einem böhern Staatszwek.
Alle dieſe und ähnliche Betrachtungen führ⸗ ten zu einem in der Geſchichte der Legislationen bisher beyſpielloſen Reſultat.
Der Staatsrath beſchloß— ſo drückte ſich der Erzkanzler des Reichs, der damalige Con⸗ ſul Cambaceres aus— daß alle ältere, für Fälle, welche der Civilcodex nicht entſcheide, vor⸗ bandene Normen, den Karakter eines Geſezzes verlieren, und deshalb nie den Weg zur Caſſa⸗ tion öfnen ſollten*). Dagegen ſollten ſie als
*) Locré, esprit du Code Napoleon. Paris 1805. p. 142.— Das Caſſationsgericht würkt im Geiſt und im Intereſſe des Geſezzes, nicht im Geiſt des einzelnen Rechtsfalls und im Intereſſe der Parthey. Dieſet Grundſaz der franzöſiſchen Rechtspflege iſt für das Verhältniß des Coder Napoleon zum römiſchen und ſtatutariſchen Recht höchſt folgenreich. Es wird in
einem der folgenden Abhandlungen vollkommen erläus tert werden.


