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1806. Der Pachter muß fuͤr die Erhaltung des uͤber⸗ nommenen Viehſtandes Sorge tragen wie ein guter Haus⸗ vater.
1807. Er haftet fuͤr ungefaͤhre Zufaͤlle nur dann, wenn von ſeiner Seite irgend ein Verſehen vorhergegan⸗ gen iſt, ohne welches der Verluſt nicht entſtanden waͤre.
1808. Entſteht Zweifel daruͤber: ſo muß der Pach⸗ ter den ungefaͤhren Zufall beweiſen, ſo wie der Verpachter das Verſehen beweiſen muß, das er dem Pachter Schuld gibt.
1809. Findet ſich der Pachter in Gefolg eines un⸗ gefaͤhren Zufalls auſſer Verantwortlichkeit: ſo muß er ſich dennoch uͤber die Haͤute berechnen.
1810. Geht der Viehſtand ganz und ohne Verſchul⸗ den des Pachters zu Grunde: ſo traͤgt der Verpachter den Verluſt.
Geht aber nur ein Theil davon zu Grunde: ſo muß der Verluſt gemeinſchaftlich getragen werden, und zwar nach Maßgabe des Preiſes der urſpruͤnglichen Schaͤtzung, und nach dem Preiſe der Schaͤtzung beim Ablauf der Pacht.
1811. Es iſt ausdruͤcklich verboten, bei der Viepacht auszubedingen,
daß der Pachter den ganzen Verluſt des Viehſtandes
tragen ſolle, obſchon er eine Folge eines ungefaͤh⸗ ren Zufalls und keineswegs ſeines Verſehens waͤre,
oder, daß er in dem Verluſte einen ſtaͤrkern Antheil tragen ſolle, als im Gewinn,
oder, daß der Pachter berechtigt ſeyn ſolle, bei Ab⸗ lauf der Pacht etwas mehr vorab zu nehmen, als den Viehſtand, den er hergegeben hat.
Jede aͤhnliche Verabredung iſt nichtig.
Milch, Duͤnger und Dienſte des Viehſtandes kommen dem Pachter allein zu gute.
Die Wolle und der Anzug werden getheilt. 1812. Ohne Bewilligung des Verpachters kann der
Pachter uͤber kein Stuͤck der Heerde verfuͤgen, es gehoͤre nun zum Stamme, oder zum Anzuge. Eben ſo wenig


