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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
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handen iſt, und dieſe Forderungen zuſammen genommen mehr als hundert fuͤnfzig Franken betragen, ſo iſt dafuͤr ebenfalls kein Zeugenbeweis zulaͤſſig, obſchon etwa der Klaͤger vorgibt, daß ſeine Forderungen verſchiedene Quellen haben, und zu verſchiedenen Zeiten entſtanden ſind. Ausgenommen iſt der Fall, wo ſolche verſchiedene Anſpruͤche durch Erbfolge, Schen⸗ kung, oder ſonſt, von verſchiedenen Perſonen herruͤhren. 1346. Alle Forderungen, wenn ſie nicht durchaus ſchrift⸗ lich bewieſen ſind, welchen Namen ſie uͤbrigens haben moͤgen, muͤſſen in einer und der naͤmlichen Ladung aufgefuͤhrt werden; nach dieſer erſten Ladung ſind alle andern Forderungen, wofuͤr kein ſchriftlicher Beweis vorhanden iſt, nicht mehr zulaͤſſig.

1347. Obige Regeln leiden eine Ausnahme in dem Falle, wo ein Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes vorhanden iſt.

Man nennt Anfang eines ſchriftlichen Beweiſes jede Schrift, welche von der Perſon herkommt, gegen die man klagt, oder von jemanden, den ſie vertritt, und welche die angege⸗ bene Thatſache wahrſcheinlich macht.

1348. Auch leiden jene Regeln eine Ausnahme, ſo oft es dem Glaͤubiger unmoͤglich war, ſich einen ſchriftlichen Be weis zu verſchaſſen von der zu ſeinem Vortheil eingegangenen Verbindlichkeit.

Dieſe zweite Ausnahme tritt ein:

lſtens bei Verbindlichkeiten, die aus den vertragaͤhnlichen

Handlungen und aus den vergehen⸗ oder verbrechen⸗ aͤhnlichen Handlungen entſtehen;

2tens bei nothwendigen Hinterlegungen, die in Brand,

Einſturz, oͤffentlichen Unruhen oder Schiffbruch, ſo wie von Reiſenden in den Herbergen, geſchehen, alles nach der Beſchaffenheit der Perſonen und den Um⸗ ſtaͤnden der Thatſache;

3tens bei Verbindlichkeiten, die entſtanden ſind bei unvor⸗

geſehenen Zufaͤllen, wo es unmoͤglich war, ſchrift liche Aufſaͤtze zu machen;

4tens in dem Falle, wo der Glaͤubiger den Titel, der

ihm zum ſchriftlichen Beweiſe diente, verloren hat, und zwar durch einen ungefaͤhren, unvorgeſehenen Zufall, der von einer hoͤhern Gewalt herruͤhrte.