— 295—
woraus ſich die Befreiung des Schuldners ergeben kann: ſo hat das Geſchriebene Beweiskraft, obſchon der Glaͤubiger es nicht unterzeichnet noch datirt hat. In dieſem Falle wird aber erfordert, daß letzterer immer im Beſitze der Urkunde gewe⸗ ſen ſei.
Eben ſo verhaͤlt es ſich, wenn der Glaͤubiger etwas un⸗ ter, oder hinten auf, oder zur Seite der doppelten Ausferti⸗ gung einer Urkunde, oder einer Quittung geſchrieben hat, vorausgeſetzt, daß ſich dieſes Duplum in den Haͤnden des Schuldners befinde.
§. III. Von Kerbhoͤlzern.
Art. 1333. Die Kerbhoͤlzer, wenn ſie auf ihre Stahlen paſſen, haben Beweiskraft unter Perſonen, die gewoͤhnlich auf ſolche Art die Lieferungen beſcheinigen, die ſie im Kleinen entweder geben, oder empfangen*).
5. IV. Von Urkunden in Abſchrift.
Art. 1334. Abſchriften oder Copieen, wenn die Ori⸗ ginalurkunde noch vorhanden iſt, beweiſen weiter nichts, als was auch letztere enthaͤlt. Die Auflegung des Originals kann in dieſem Falle allzeit verlangt werden.
1335. Wenn die Originalurkunde nicht mehr vorhanden iſt, ſo beweiſen die Abſchriften nach folgenden Unterſcheidungen:
lſtens. Die erſten Ausfertigungen(grosses) haben den naͤmlichen Glauben, wie das Original. Eben ſo ver⸗ haͤlt es ſich mit Abſchriften, welche gemacht ſind auf obrigkeitlichen Befehl in Gegenwart der Theile, oder nach gehoͤriger Vorbeſcheidung derſelben, oder auch mit Abſchriften, die verfertigt ſind in Gegen⸗ wart der Theile und mit ihrer beiderſeitigen Be⸗ willigung,.
*) Wenn zwei Perſonen zwei Stuͤcke Holz gebrauchen, um durch auf einander paſſende Einſchnitte zu bezeichnen, was einer dem andern liefert, z. B. die Zahl Brode: ſo heißt der Theil des Holzes, den der Kraͤmer oder Kaufmann u. f. behaͤlt, Kerb⸗ holz, und der Theil, den der Abnehmer oder Schuldner be⸗ haͤlt, Stahlen.


