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1154. Auch die von Capitalien verfallenen Zinſen koͤn⸗ 4 nen wieder Zinſen erzeugen, und zwar entweder durch eine gerichtliche Forderung, oder auch zufolge einer beſondern Verabredung. In beiden Faͤllen, der gerichtlichen Forderung ſowohl als der desfallſigen Verabredungen, muͤſſen aber die Zinſen, wovon man wieder Zinſen fordert, wenigſtens von
einem Jahre ſein.
1155. Ungeachtet der vorhergehenden Regel erzeugen die verfallenen Einkuͤnfte, als Pacht- und Miethgelder, Ruͤck⸗ ſtaͤnde von ewigen oder Leib⸗Renten, Zinſen vom Tage der Forderung oder der Verabredung.
Das Naͤmliche gilt in Ruͤckſicht auf Wiedererſtattungen der Fruͤchte, und auf die Zinſen, die ein Dritter dem Glaͤu⸗ biger fuͤr Rechnung des Schuldners bezahlt hat*. 3
Fuͤnfter Abſchnit t. Von Auslegung der Vertraͤge und Verabredungen.
Art. 1156. Bei Auslegung der Vertraͤge hat man mehr zu unterſuchen, was eigentlich der gemeinſame Wille der verabredeten Theile war, als ſich an den buchſtaͤblichen Sinn der Ausdruͤcke zu halten.
1157. Wenn eine Clauſel auf zweierlei Art kann ver⸗ ſtanden werden, oder einen doppelten Sinn hat: ſo muß man ſie in dem Sinne nehmen, worin ſie irgend eine Wirkung hat, und nicht in dem Sinne, worin ſie ohne alle Wir⸗ kung bliebe.
1158. Ausdruͤcke, die man in einem doppelten Sinne verſtehen kann, muͤſſen verſtanden werden in dem Sinne, welcher dem Gegenſtande der Verabredung am beſten aupaßt.
1159. Was zweideutig und zweifelhaft iſt, wixd aus⸗ gelegt nach dem, was herkoͤmmlich iſt in dem Lande, wo der Vertrag geſchloſſen worden. *) Dergleichen Einkuͤnfte, Fruͤchte und Zinſen duͤrfen mit den
gewoͤhnlichen Zinſen von Capitalien nicht in eine Claſſe ge⸗ ſetzt werden, und ſie thun Zinſen vom Tage der Forderung an, wenn ſie auch nicht von einem ganzen Jahre ſind. Ge⸗ nug iſt es, daß ſie verfallen ſind.


