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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
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tracte, deren Wirkungen in dieſer Abſſcht unter jenen Titeln erklaͤrt werden, die fuͤr ſie eigens angewieſen ſind.

1138. Die Verbindlichkeit, die Sache zu liefern, iſt voll⸗ kommen durch die bloße Einwilligung der contrahirenden Theile.

Durch ſie wird der Glaͤubiger zum Eigenthuͤmer, und die Sache iſt auf ſeine Gefahr von dem Augenblicke an, wo ſie geliefert werden mußte, wenn auch ſchon die Lieferung nicht geſchehen iſt. Ausgenommen iſt der Fall, wo der Schuldner ſaͤumig oder in Verzug iſt, die Sache zu liefern. Die Sache iſt in dieſem Falle auf Gefahr eines ſolchen Schuldners*).

1139. Der Schuldner wird ſaͤumig, oder in Verzug ge⸗ ſetzt, auf zweierlei Art: entweder durch eine Aufforderung, oder ſonſt eine gleichbedeutende Handlung; oder auch ver⸗ moͤge der Verabredung ſelbſt. Letzteres iſt der Fall, wenn die Verabredung enthaͤlt, daß der Schuldner in Verzug geſetzt ſein ſoll, ſobald der Termin oder der Zeitpunkt der Er⸗ fuͤllung voruͤber iſt, ohne daß es irgend einer andern Hand⸗ lung beduͤrfe.

1140. Was die Verbindlichkeit, ein unbewegliches Gut zu geben oder zu liefern, fuͤr Wirkungen habe, wird im Ti⸗ tel vom Kauf und Verkauf, und im Titel von den Vor⸗ zugsrechten und Hypotheken regulirt.

1141. Wenn Jemand ſich nach einander gegen zwei Per⸗ ſonen anheiſchig gemacht hat, eine Sache zu geben oder zu liefern, und dieſe Sache bloß beweglich iſt: ſo gehoͤrt ſie vor⸗ zugsweiſe und eigenthuͤmlich demjenigen, der ſie zuerſt in wirklichem Beſitz gehabt, wenn auch ſchon ſein Titel ein ſpaͤ⸗ teres Datum hat, vorausgeſetzt übrigens, daß er ein redlicher Beſitzer war.

Dritter Abſchnilt. Von der Verbindlichkeit, zu thun oder nicht zu thun.

Art. 1142. Wenn derjenige, der ſich anheiſchig gemacht

*) Schuldner heißt hier, ſo wie im ganzen Titel, derjenige, der etwas geben oder leiſten muß, kurz, der ſich zu etwas verbunden hat; Glaͤubiger hingegen derjenige, der zufolge Vertrags etwas fordern kann, gegen den ſich der Andere ver⸗ bindlich gemacht hat.