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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
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Dritter Abſchnitt. Von dem Gegenſtande und der Materie der Verträge.

Art. 1126. Jeder Vertrag hat eine Sache zum Gegen⸗ ſtande, die ein Theil ſich zu geben anheiſchig macht, oder die ein Theil ſich zu thun oder nicht zu thun verbindet.

1127. Der bloße Gebrauch, oder der bloße Beſitz einer Sache kann der Gegenſtand eines Vertrages ſein, ſo gut wie die Sache ſelbſt.

1128. Sachen, welche dem Privatverkehr entzogen ſind, koͤnnen kein Gegenſtand der Vertraͤge ſein.

1129. Jeder Vertrag muß ferner eine Sache zum Ge⸗ genſtande haben, die wenigſtens ihrer Art nach beſtimmt und gewiß iſt.

Ihre Groͤße kann ungewiß ſein; aber wenn dies iſt, ſo muß es moͤglich ſein, ſie zu beſtimmen*).

1130. Auch zukuͤnftige Sachen koͤnnen Gegenſtaͤnde der Verabredungen ſein.

Es iſt indeſſen nicht erlaubt, einer noch nicht eroͤffneten Erbſchaft zu entſagen, noch uͤber eine ſolche Erbſchaft irgend eine Abrede zu treffen, ſelbſt nicht mit Bewilligung desjenigen, auf deſſen Erbſchaft es ankommt.

Vierter Abſchnitt. Von der Urſache.

Art. 1131. Alle Verbindlichkeiten, die entweder gar keine Urſache, oder eine falſche Urſache, oder eine unerlaubte Ur⸗ ſache haben, ſind ohne Wirkung.

*) Ein Moͤbel uͤberhaupt, z. B., koͤnnte der Gegenſtand eines Vertrages nicht ſein, wenn es unmoͤglich waͤre, zu beſtimmen, welche Art von Moͤbel man gemeint habe. Eben ſo wuͤrde der Vertrag nichtig ſein, wenn ſein Gegenſtand wäre Wein, Getreide u. ſ. w. ohne naͤhere Beſtimmung, und ohne daß es moͤglich waͤre, zu erkennen, was eigentlich die Theile ge⸗ wollt haben.

Wenn man aber z. B. ein Pferd verkauft, ſo iſt der Gegenſtand des Vertrags zwar nicht völlig, aber doch ſeiner Art nach, beſtimmt; aber der Glaͤubiger kann doch die Sache, 1 wiewohl nur auf unbeſtimmte Art, fordern, und der Schuld⸗ ner kann von allen den Sachen ſolcher Art eine geben, welche er will; nur muß ſie eine rechtliche und handelbare Waare ſein.