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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
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uͤberlebt habe, und wenn dies nicht moͤglich iſt, ſo wird vermuthet, daß der am laͤngſten gelebt habe, der die Staͤr⸗ ke des Alters oder des Geſchlechtes auf ſeiner Seite hatte.

721. Waren diejenigen, die zuſammen umgekommen ſind, weniger als fuͤnfzehn Jahre alt: ſo wird vermuthet, daß der aͤltere am laͤngſten gelebt habe.

Waren ſie alle uͤber ſechzig Jahre alt: ſo wird ver⸗ muthet, daß der juͤngſte die andern uͤberlebt habe.

Wenn der eine unter fuͤnfzehn Jahren, und der an⸗ dere uͤber ſechzig war, ſo wird vermuthet, daß der erſtere laͤnger gelebt habe.

722. Wenn Menſchen, die zuſammen umgekommen ſind, zwar volle fuͤnfzehn Jahre, aber noch nicht ſechzig Jahre alt waren: ſo iſt folgender Unterſchied zu machen. Entweder waren ſie verſchiedenen Geſchlechts, und in die ſem Falle wird immer vermuthet, daß die Mannsperſon laͤnger gelebt habe, ſo fern ſie jedoch von gleichem Alter waren, oder der Unterſchied, der etwa obwaltet, nicht uͤber ein Jahr betraͤgt.

Oder ſie waren einerlei Geſchlechts, und dann tritt die Vermuthung ein, daß ſie ſo nacheinander geſtorben, und die Erbfolge ſo eroͤffnet worden, wie beides nach dem ordentlichen Laufe der Natur zu geſchehen pflegt; daß mit⸗ hin der juͤngere den aͤltern uͤberlebt habe.

723. Das Geſetz beſtimmt die Ordnung, worin die rechtmaͤßigen Erben zur Verlaſſenſchaft gelangen. In Er⸗ mangelung ſolcher Erben fallen die Guͤter an die natuͤrli⸗ chen Kinder, dann an den uͤberlebenden Ehegatten, und, wenn auch deren keiner vorhanden iſt, an den Staat.

724. Die Guͤter, Rechte und Foderungen des Ver⸗ ſtorbenen, gehen ohne weiteres von Rechtswegen auf die rechtmaͤßigen Erben uͤber*); wogegen ſie alle Laſten der Verlaſſenſchaft uͤbernehmen muͤſſen. Auf die natuͤrlichen Kinder, den letztlebenden Ehegatten, und den Staat geht die Erbſchaft nicht von ſelbſt uͤber; ſondern ſie muͤſſen ſich gerichtlich in den Beſitz derſelben einweiſen laſſen, und

*) Mit andern Worten: der vechtmäaͤßige Erbe erlangt das Eigen⸗ thum der Erbſchaft, nebſt allen damit verbundenen Rechten und Pflichten, ohne daß es weiter einer Beſitzergreifung bedarf⸗