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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
157
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Die uͤbrigen betreffen die Scheidemauer und den Schei⸗ degraben, die Faͤlle, wo eine Gegenmauer zu errichten iſt, das Recht der Ausſicht auf des Nachbars Eigenthum, die Dachtraufe oder den Ausguß der Daͤcher, und das Durch⸗ gangsrecht.

Erſter Abſchnift.

Von der Scheidemauer und dem Scheidegraben.

Art. 653. Jede Mauer, die zwei Gebaͤude von einander trennt in ihrer ganzen Hoͤhe, jede Mauer zwiſchen Hoͤfen und Gaͤrten, und ſelbſt jede Zaͤunung zwiſchen zwei Fel⸗ dern, iſt der rechtlichen Vermuthung nach eine Mittel⸗ oder Scheidemauer oder Zaͤunung*) wenn nicht Urkun⸗ den vorhanden ſind, welche das Gegentheil beweiſen, oder ſonſtige aͤußere Merkmale, woraus ſich das Gegentheil ſchließen laͤßt. Dieſe Regel gilt auf dem Lande, wie in Staͤdten.

654. Ein ſolches Merkmal, woraus ſich ſchließen laͤßt, daß die Mittelmauer nicht gemeinſchaftlich iſt, iſt vorhanden, wenn die hoͤchſte Spitze der Mauer auf der einen Seite gerade und ſenkrecht mit der aͤußern Ver⸗ putzung derſelben ſteht, und auf der andern Seite eine an⸗ laufende Flaͤche macht;

Desgleichen, wenn ſich nur auf einer Seite eine Mauerkappe, oder Leiſten und Kragſteine(Zahntirungen) befinden, welche bei Erbauung der Mauer daran gemacht worden.

In dieſem Falle wird vermuthet, daß die Mauer ausſchließlich dem Eigenthuͤmer gehoͤrt, auf deſſen Seite das Waſſer abfließt, oder auf deſſen Seite die Leiſten und Kragſteine ſind.

655. Wer an einer Scheide⸗ oder Mittelmauer be⸗ rechtigt iſt, der traͤgt auch die Koſten ihrer Ausbeſſerung und Wiederaufbauung, und zwar nach Verhaͤltniß ſeines Rechtes.

*) D. h. ſie iſt zwiſchen beiden anſchießenden Eigenthuͤmern ge⸗ meinſchaftlich.