Druckschrift 
Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
158
Einzelbild herunterladen

158

656. Will aber ein ſolcher Miteigenthuͤmer ſeinem Rechte entſagen: ſo kann er ſich dadurch von der Ver⸗ bindlichkeit los machen, mit zur Ausbeſſerung und Wie⸗ deraufbauung der Mittelmauer beizutragen. Jedoch ſteht ihm auch dies nicht frei wenn die Mittelmauer ein Ge⸗ baͤude unterſtuͤtzt, das ihm gehoͤrt. 35

657. Jeder Miteigenthuͤmer hat das Recht, gegen die Scheidemauer bauen, und Balken in dieſelbe ſtecken zu laſſen, und zwar durch die ganze Dicke der Mauer bis auf vierundfuͤnfzig Millimeter Gwei Zoll) von der andern Seite. Dagegen hat aber der Nachbar das Recht, die Balken bis auf die Mitte der Mauer abhauen zu laſſen, im Falle er ſelbſt an der naͤmlichen Stelle Balken einle⸗ gen oder einen Rauchfang auffuͤhren will.

658. Auch hat jeder Miteigenthuͤmer einer Scheide⸗ mauer das Recht, dieſelbe hoͤher fuͤhren zu laſſen. Die Koſten der Erhoͤhung fallen ihm alsdann allein zur Laſt, ſo wie die Koſten der Unterhaltnng des neu aufgeſetzten Stuͤckes. Ueberdies muß er dem Nachbar eine Entſchaͤ⸗ digung fuͤr die Belaſtung der gemeinſchaftlichen Mauer entrichten, nach Verhaͤltniß der Erhoͤhung und nach Maaß⸗ gabe des Werthes.

659. Wenn die Mittelmauer nicht ſtark genug iſt, um eine Erhoͤhung zu tragen: ſo muß derjenige, der ſte erhoͤhen will, ſie auf ſeine eigenen Koſten ganz neu auf⸗ bauen laſſen; und was ſie in einem ſolchen Falle an Dicke gewinnt, wird von ſeiner Seite genommen.

660. Der Nachbar, der zur Hoͤherauffuͤhrung der Mauer nicht mitbezahlt hat, kann nachher noch immer ein Mitrecht auf dieſelbe fodern, wenn er die Haͤlfte deſſen, was ſie gekoſtet hat, bezahlt. Iſt die Mauer dicker ge⸗ macht, und daher ein Stuͤck von des andern Grunde ge⸗ nommen worden: ſo muß er auch hiefuͤr den halben Werth bezahlen.

661. Jeder Eigenthuͤmer, deſſen Eigenthum an eine Mauer ſtoͤßt worauf er ſonſt kein Recht hat kann fodern, daß die Mauer zwiſchen ihm und ſeinem Nachbar gemeinſchaftlich werde, wenn er dem Eigenthuͤmer der Mauer die Haͤlfte ihres Werthes, oder den halben Werth des Stuͤckes davon, welches er gemeinſchaftlich machen

˙