Druckschrift 
Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
144
Einzelbild herunterladen

144

wie der Eigenthuͤmer ſelbſt, jedoch ſo, daß ihre Subſtanz erhalten werde.

579. Den Nießbrauch ertheilt entweder das Geſetz*) oder der Wille des Menſchen**).

580. Der Nießbrauch kann entweder rein und un⸗ bedingt, oder auf gewiſſe beſtimmte Zeit, oder unter irgend einer Bedingung ertheilt werden.

581. Man kann ihn bei jeder Art von Sachen oder

Guͤtern, ſie ſeyen bewegliche oder unbewegliche, geſtat⸗ ten.

Erſter Abſchnit t. Von den Rechten des Nutznießers.

Art. 582. Der Nutznießer hat das Recht zum Ge⸗ nuß aller Fruͤchte, welche die Sache, wovon er die Nutz⸗ nießung hat, nur immer gewaͤhren kann, ſie moͤgen nun natuͤrlich, induſtriell oder buͤrgerlich ſeyn.

583. Natuͤrliche Fruͤchte nennt man jene Fruͤchte, welche die Erde von ſelbſt hervorbringt.

Die Erzeugniſſe der Thiere, ſo wie der junge Anzug davon, gehoͤren auch zu den natuͤrlichen Fruͤchten.

Induſtrielle Fruͤchte eines Grundſtuͤckes ſind die, wel⸗ che die Cultur gewaͤhrt.

584. Buͤrgerliche Fruͤchte ſind die Hausmiethe, Zin⸗ ſen von faͤlligen Summen, die Ruͤckſtaͤnde der Renten.

Auch die Pachtgelder***) gehoͤren zu den buͤrgerli⸗ chen Fruͤchten.

585. Natuͤrliche Fruͤchte ſowohl als induſtrielle Fruͤch⸗ te, welche zur Zeit, wo der Nießbrauch anfaͤngt, noch am

Baume oder am Boden feſt ſind, gehoͤren dem Nutznießer.

*) Das Geſetz, z. B. im Art. 378 unter dem Titel von der vaͤ⸗ terlichen Gewalt, wo es dem Vater u. ſ. w. den Genuß des Vermoͤgens ſeiner Kinder gibt.

**) Der Wille des Menſchen, z. B. in einem Teſtamente, durch 3 Schenkung und jeden Vertrag. ***) So nennt man im engern Verſtande die Pacht, die von Land⸗ guͤtern bezahlt wird, le prix des baux à ferme. Mieth⸗ zins wird von Haͤuſern bezahlt.