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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
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545. Niemand kann gezwungen werden, ſein Eigen⸗ thum abzutreten oder hinzugeben, es ſey denn, daß der oͤf⸗ fentliche oder allgemeine Nutzen ſolches erfodere; und auch in dieſem Falle nicht anders, als gegen eine gerechte und vorlaͤufige Entſchaͤdigung.

546. Wem das Eigenthum einer beweglichen oder unbeweglichen Sache gehoͤrt, der hat auch ein Recht auf alles, was dieſe Sache hervorbringt, und auf alles, was ſich mit derſelben verbindet und ihr zuwaͤchſt, es ſey nun auf natuͤrliche oder kuͤnſtliche Art.

Dieſes Recht heißt das Recht der An⸗ und Zu⸗ wuͤchſe*).

Erſtes Capitel.

Von dem Rechte der An⸗ und Zuwuͤchſe auf das, was die Sache hervorbringt.

Art. 547. Vermoöͤge des Rechts der An⸗ und Zu⸗ wuͤchſe gehoͤren dem Eigenthuͤmer:

die natuͤrlichen oder induſtriellen Fruͤchte der Erde, die buͤrgerlichen Fruͤchte**), der junge Anzug des Viehes.

548. Die Fruͤchte einer Sache gehoͤren dem Eigen⸗ thuͤmer nur unter dem Beding, daß er die Koſten der Be⸗ ackerung, der Arbeiten und der Ausſaat erſetze, die etwa ein dritter daran verwendet hat.

549. Dem bloßen Beſitzer gehoͤren die Fruͤchte nur dann, wenn er redlich beſitzt. Beſitzt er hingegen nicht

*) Droit d'accession.

**) Buͤrgerliche Fruͤchte ſind, wie der hierunten folgende Art. 584 es erklaͤrt, Zinſen von faͤlligen Summen, ruͤckſtaͤndige Renten, Hausmiethe und Pachtgelder. Sie ſtehen gegen die Fruͤchte im gemeinen Sinne in dem naͤmlichen Verhaͤltniſſe, wie ein Capital zu einem Grundſtuͤcke. Man koͤnnte ſie auch mora⸗ liſche Fruͤchte nennen.

Natuͤrliche Fruͤchte der Erde nennt man jene Fruͤch⸗ te, welche ſie ohne Beihuͤlfe der Kunſt hervorbringt. Indu⸗ ſtriel nennt man jene Fruͤchte, welche die Erde ohne des Menſchen Arbeit nicht hervorbringen wuͤrde.