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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
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293. Sobald dem Staats⸗Procurator beim Gericht erſter Inſtanz die zweite Berufungsacte inſinuirt iſt, und zwar in den zehn erſten Tagen, von dieſer Inſinuation an gerechnet, uͤberſchickt er dem kaiſerlichen General⸗Procura⸗ tor beim Berufungsgericht die Ausfertigung des Urtheils, und die Schriften, worauf das Urtheil ergangen iſt. In den erſten zehn Tagen nach Empfang der Schriften, macht der General⸗Procurator beim Berufungsgericht ſeine ſchrift⸗ lichen Antraͤge; der Praͤſident, oder ſein Stellvertreter, ſtattet dem Berufungsgerichte, in dem Rathszimmer, ſeinen Bericht ab, und die endliche Entſcheidung erfolgt in den erſten zehn Tagen nach Uebergabe der Antraͤge des Ge⸗ neral⸗Prokurators.

294. Laͤßt das Urtheil die Eheſcheidung zu; ſo ver⸗ fuͤgen ſich, kraft deſſelben, und in den erſten zwanzig Ta⸗ gen ſeines Datums, die Partheien zuſammen und perſoͤnlich vor den Beamten des Civilſtandes, der ſodann die Ehe⸗ ſcheidung auszuſprechen hat. Nach Ablauf jener Friſt iſt das Urtheil ohne Kraft, und als nicht ergangen anzuſehn.

Viertes Capitel. Von den Wirkungen der Eheſcheidung.

Art. 295. Die Urſache der Eheſcheidung mag gewe⸗ ſen ſeyn, welche ſie immer wolle, die Eheleute, die ſie er⸗ wirkt haben, koͤnnen ſich nie wieder verbinden.

296. Iſt die Eheſcheidung aus beſtimmter Urſache er⸗ folgt, ſo kann die geſchiedene Frau ſich nicht wieder ver⸗ ehelichen, als zehn Monate nach ausgeſprochener Eheſchei⸗ dung.

297. Iſt aber die Eheſcheidung eine Folge beiderſei⸗ tiger Einwilligung, ſo kann ein Ehegenoſſe eben ſo wenig, wie der andere eine neue Ehe eingehen, wenn nicht drei Jahre nach Ausſpruch der Eheſcheidung verfloſſen ſind.

298. Iſt die Eheſcheidung wegen Chebruches gericht⸗ lich zugelaſſen worden, ſo kann der ſchuldige Ehegenoſſe ſich nie mit demjenigen verehelichen, womit er jenes Laſter getrieben hat. Die Frau, die ſich des Ehebruches ſchuldig gemacht, wird noch uͤberdies im naͤmlichen Urtheil*), und

*) Das die Eheſcheidung zulaͤßt.