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Gesetzbuch Napoleons oder Das in den Königl. Preussischen Rhein-Provinzen geltende bürgerliche Recht / uebersetzt von dem Justizrath P. F. Cremer, Advocat-Anwalt bei dem Königl. Landgerichte zu Düsseldorf
Entstehung
Seite
68
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Achtes Caapitel. Von zweiten Ehen. Art. 228. Die Frau kann nicht zu einer zweiten Ehe

ſchreiten, bevor zehn volle Monate nach Auſloͤſung der vori⸗ gen Ehe verfloſſen ſind.

Sechſter Titel.

Von der Eheſcheidung 9).

Er ſt es Capitel. Von den Urſachen zur Eheſcheidung.

Art. 229. Der Mann kann auf Eheſcheidung klagen, wenn ſeine Frau ſich des Ehebruchs ſchuldig gemacht. 230. Die Frau kann aus dem Grunde, daß ihr Mann Ehebruch begangen, nur dann auf Eheſcheidung klagen, wenn er ſeine Beiſchlaͤferinn ins gemeinſchaftliche Haus gebracht 1 hat. 1 231. Vergehungen, Mishandlungen und ſchwere Be⸗ ſchimpfungen*) geben den Eheleuten wechſelſeitig das Recht, auf Eheſcheidung zu klagen.

*) Geſetz vom 30. Ventoſe 11.(21. Maͤrz 1803), promulg. den 10. Germinal 11.(31. Maͤrz 1803).

*) Der Redner der Regierung erkläͤrt ſich uͤber dieſen Artikel al⸗

ſo:Im hauslichen Leben geſchieht es wohl, daß man ſich ein⸗

mal erhitzt, und eine ſolche Aufwallung den andern fuͤhlen

laͤßt, in Augenblicken der uͤbeln Laune und der uUnzufrieden⸗ heit entfallen einem wohl harte Worte, ſelbſt Weigerungen, die ganz am unrechten Orte ſind. Es waͤre uͤberfluͤſſig zu. bemerken, daß von dergleichen hier die Rede nicht ſeyn koönne. Hier kommt es auf eigentliche wahrhafte Vergehungen(Ex⸗ zeſſe) an, auf perſöonliche Mishandlungen, auf Thaͤtlichkeiten in der ſtrengen Bedeutung des Worts sævitia(Grauſamkeit) und auf Beſchimpfungen und unbilden, die den Charakter der

auſſerſten Wichtigkeit an ſich tragen.