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207. Alle aus obigen Verfuͤgungen entſpringende Ver⸗ dindlichkeiten ſind wechſelſeitig.
208. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß die Nahrung nur verabreicht werden muͤſſe nach Verhaͤltniß der Noth⸗ durft desjenigen, der ſie begehrt, und dem Vermoͤgen des⸗ jenigen gemaͤß, der ſie ſchuldig iſt.
209. Wenn der Verabreicher, oder der Annehmer, fich in einen ſolchen Zuſtand verſetzt findet, daß der erſte die Nahrung nicht mehr geben kann, der andere aber ih⸗ rer, entweder ganz oder zum Theil, nicht mehr bedarf: ſo kann ihre voͤllige Erlaſſung oder ihre Verringerung ge⸗ fodert werden.
210. Wenn unter dem Namen der Nahrung ein Ge⸗ halt an Geld gereicht wird, und derjenige, deſſen Pflicht es iſt, die Nahrung zu reichen, beweiſt, daß er auſſer Stand iſt, ihn zu reichen, ſo kann das Gericht, mit Er⸗ kenntniß der Sache, oder nach vorlaͤufiger Unterſuchung, verordnen, daß er die Perſon, welcher er Nahrung ſchul⸗ dig iſt, zu ſich ins Haus nehmen, und ſie ernaͤhren und unterhalten ſolle.
211. Das Gericht hat ebenfalls zu entſcheiden, ob der Vater oder die Mutter von Zahlung eines Jahrge⸗ halts an Nahrungsſtatt loszuſagen ſey, wenn er oder ſie ſich anheiſchig macht, das Kind, dem ſie Nahrung ſchul⸗ dig ſind, zu ſich ins Haus zu nehmen, es zu ernaͤhren und zu unterhalten.
Sechstes Capitel.
Von den gegenſeitigen Rechten und Pflichten der Eheleute.
Art. 212. Die Eheleute ſind ſich einander Treue, Huͤlfe und Beiſtand ſchuldig.
213. Der Mann iſt ſeiner Gattinn Schutz, die Gat⸗ tinn ihrem Manne Gehorſam ſchuldig.
214. Die Gattinn iſt verbunden, bei ihrem Manne zu wohnen, und ihm an jeden Ort zu folgen, wo er fuͤr gut findet, ſich aufzuhalten. Der Mann iſt verbunden,
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