— 53—
durch den Verlauf der Zeit, den auch die Verjaͤhrung er⸗ fodert.
138. So lange ſich der Abweſende nicht ſelbſt einſtellt, oder ſo lange die Klagen nicht durch ihn und in ſeinem Namen angehoben werden, gewinnen und behalten die, welche die Erbſchaft angetreten haben, die redlich*) ein⸗ genommenen Fruͤchte.
Dritter Abſchnit t. Von den Wirkungen der Abweſenheit in Ruͤckſicht auf die Ehe.
Art. 139. Hat ſich der zuruͤckgelaſſene Ehegenoſſe in eine neue eheliche Verbindung eingelaſſen, ſo kann blos der abweſende Gatte ſelbſt die Ehe angreifen, oder es durch einen Bevollmaͤchtigten thun laſſen. Der letztere muß aber den Beweis beibringen, daß der Abweſende noch lebt.
140. Hat der Abweſende Ehegenoſſe keine Verwand⸗ ten hinterlaſſen, die faͤhig ſind ihn zu beerben, ſo iſt der zuruͤckgelaſſene Ehegenoſſe berechtigt, die Einſetzung in den einſtweiligen Beſitz zu fodern.
Viertes Capitel.
Von der Aufſicht uͤber die minderjaͤhrigen Kinder eines vermißten Vaters.
Art. 141. Wenn der Vater zur Zeit, wo er ver⸗ ſchwand, minderjaͤhrige Kinder zuruͤckgelaſſen hat, welche aus einer gemeinſchaftlichen Ehe mit der zuruͤckgebliebenen Mutter herkommen: ſo hat dieſe die Aufſicht uͤber ſie, und ſie uͤbt alle Rechte des Mannes aus, in ſo weit ſie ihre Erziehung und die Verwaltung ihrer Guͤter zum Ge⸗ genſtande haben.
142. Sechs Monate nach der Zeit, wo der Vater vermißt ward, wenn die Mutter um dieſe Zeit verſtorben war, oder wenn ſie ſtirbt, ehe die Abweſenheit deſſelben gerichtlich erklaͤrt worden, tritt der Familienrath zuſam⸗ men, und uͤbertraͤgt die Aufſicht uͤber die Kinder den naͤch⸗
*) Pergus de bonne foi, bona fide.


