20 Die Ferderungen der Juden betreffend.
8 2) Verordnung. Patente für die Juden betreffend.
Da die Landesadminiſtration die Verfügungen des franzöſiſchen Dekre ts vom 17. Maͤrz 1808, welches dem Wucher und dem un⸗ erlaubten Handel der Juden, Ein⸗ ſchraͤnkungen ſetzet, in voller Kraft erhalten wiſſen will, ſo verordnet ſie hiemit: daß von dem 1. Marz dieſes Jahres an, ein jeder Han⸗ del treibende Jude mit dem durch den Art. 7. des obigen Dekrets vorgeſchriebenen Patentenſcheine für das Jahr 1815, verſehen ſeyn muͤſſe.— Dieſe Scheine werden von den betreffenden Kreisdirek⸗ tionen nach eingezogenen Erkundi⸗ ungen uͤber die Moralitaͤt der Patontpflichtt en ausgefertiget, und zwar auf die Vorlage;
1) eines von dem Schoffenrath der Gemeinde des Impetranten ausgeſtellten Atteſtes, wodurch dargethan wird, daß letzterer we⸗ der Wucher noch unerlaubten Han⸗ del treibe oder getrieben habe;
2 einer ſchriftlichen Erklärung des einſchlägigen jüdiſchen Konſi⸗ ſtoriums zu Mainz oder Trier, welches ſeine gute Aufführung und Redlichkeit bezeugt.— Die
Ausfertigung dieſer Patentſcheine ſoll unentgeldlich, und iſcheine Stempel und der Verguͤtung der Papier⸗ und der Druckkoſten un⸗ terworfen ſeyn, wofuͤr hiemit 86 Centimen fuͤr jedes Exemplar be⸗ ſtimmt werden.— Ein jeder han⸗ deltreibende Jude, welcher nach dem anberaumten Termine der gegenwaͤrtigen Verordnung nicht wird Genuͤge geleiſtet haben, ſoll dem einſchlaͤgigen Kreisgerichte nahmhaft gemacht; und nach der Strenge des Geſetzes verfolgt werden.— Die Ertheilung der befraglichen Patentſcheine befreiet nicht von der Entrichtung der ge⸗ wohnlichen Gewerbſteuer, welche das Geſetz vom 1. Brumaire des Jahres 7. vorſchreibt.— Gegen⸗ waͤrtige Verordnung, uͤber deren Vollzug die Kreisdirektoren und
die Juſtitzbehoͤrden zu wachen ha⸗—
ben, wird durch das Amtsblatt zur allgemeinen Kenntniß gebracht. Kreuznach, den 24. Januar 1815. Die K. K. oſter. und K. baier. ge⸗ meinſchaftliche Landesadminiſtka⸗ tionskommiſſion.
3) Verordnung, über die naͤhere Beſtimmung des De⸗ krets vom 17. März 1808, die Juden betreffend.
Durch die Verordnung vom 24. Januar d. J. hat die Landesad⸗ miniſtration den Grundſatz ausge⸗ ſprochen, daß die Verfugungen des Dekrets vom 17. März 1808, welches dem Wucher und uner⸗ laubten Handel der Juden Ein⸗ ſchraͤnkungen ſetzt, in voller Kraft erhalten werden ſollen.— Da nun die Erfahrung bewieſen hat, wie ſehr man durch ſogenannte ſchieds⸗ richterliche Urtheile zwiſchen den Juden und ihren Schuldnern, und durch Ratifikationsakten vor Notaͤren die heilſamen Wirkungen
jenes Dekrets zu umgehen ſuchte und noch ſucht; ſo wad uf Ae⸗ ſem Mißbrauche und den daraus entſtehenden Nachtheilen zu be⸗ Panen, felgendes verordnet:— erfuͤgung der Art. 4 u des Dekrets vom 17. M4rdts ſind auch auf alle ſchiedsrichterliche Urtheile, die ſowohl vor als ſeit der Bekanntmachung jenes Dekrets zwiſchen Juden und ihren Schuld⸗ nern gefaͤllt wurden, ſo wie auf die vor Notarien eingegangenen Ratifikationen vorhergehender Ak⸗
Rten ausgedehnt. Jedoch behalten


