24
6
den geſchiebenen Ehegatten die Wiederverehelichung erlaubt, nicht, daß es ihnen auch die kirchliche Beſtätigung dieſer zweiten Ehe verſchaffen muͤſſe; es ſichert dieſer zweiten Ehe alle Civil Wirkungen zu; kein Rotar darf ſich weigern, die EhePakten derſelben aufzunehmen, kein Beamter des Civil⸗ ſtandes den HeirathsAkt aufzuſetzen; die in dieſer Ehe er⸗ zeugte Kinder ſind in den Augen des Geſetzes rechtmaͤßig, felbſt wenn dieſelbe von keinem Pfarrer eingeſegnet worden wäre, ſo wie die in einer vor dem Prieſter, und nicht vor dem Maire, abgeſchloſſenen Ehe erzeugte Kinder von dem buͤrgerlichen Geſetze immer als uneheliche Kinder betrachtet werden; das Geſetz laßt den religiöſen Meinungen ihre ganze Freiheit, es bietet ihnen deshalb, wie wir in der Folge ſehen werden, zugleich mit einem Mittel, welches der katholiſche Glaube misbilligt, ein anderes an, welches er erlaubt. Es uͤberläͤßt den Gewiſſen die Wahl zwiſchen dem einen und dem andern: wer gegen den Willen ſeiner Kirche die Eheſcheidung der Trennung von Tiſch und Bett vorgezogen hat, kann dem Geſetzgeber keinen Vorwurf machen, wenn dieſe Kirche ſeine zweite Ehe, die der Staat anerkennt und ſchutzt, nicht an⸗ erkennen will⸗
₰) Wenn aber uͤber die Befugniß des Geſetzgebers, die Ehe⸗ ſcheidung zuzulaſſen, kein Zweifel obwalten kann, ſo bot die zweite Frage: ſoltte er ſie zulaſſen? größere Schwie⸗ rigkeiten dar, ohngeachtet der Geſichtspunkt, von welchem bei ihrer Beantwortung ausgegangen werden mußte, von dem obi⸗ gen Grundſatz gleichfalls angegeben war: es durfte nämlich ein blos po litiſcher, kein religidͤſer ſeyn.
So viel auch äber die Vortheile der Eheſcheidung von der einen, und uͤber die Nachtheile derſelben von der andern


