Teil eines Werkes 
Erste Abtheilung, Privatrecht : Zweiter Theil (1809)
Entstehung
Seite
16
Einzelbild herunterladen

des Ehebruchs die haͤufigſte war. Ein Urthei des Parla⸗ ments von Paris vom 4 Julius 1782 hat in einem Falle, worin die Diffamation mit oͤffentlichem Aergerniß verbun⸗ den war, den Mann zugleich der ihm im Ehekontrat zuge⸗ ſicherten Vortheile verluſtig erblärt. Bei Leuten von hoͤ⸗ herem Stande war ein gerlngerer Grad von Publizität hinlaͤnglich, um die Trennung anf dieſes Mittel zu erkennen.

3) Eine durch den Mann mittelſt falſcher Beſchuldigungen ans⸗ gewirbte lettre de Cachet konnte gleichfalls zu einer Klage auf Trennung berechtlgen, weil die leitres de Cachet, wie es zuletzt uͤblich war, auf Gefahr deſſen, der ſie nachſuchte, ertheilt wurden.

) Eine von dem Manne erhobene Klage auf Nullität der Ehe ward von dem Parlament von Paris am 17ten Auguſt 1730 als ein hinlänglicher Grund angeſehen, um auf Anru⸗ ſen der Frau die Trennung von Tiſch und Bett zu erkennen.

1) Krankheiten waren im Allgemeinen, ſelbſt ekelhafte und anſieckende, kein hinlänglicher Grund zur Trennung; wohl

aber die veneriſche Krankheit, nach der Furisprudenz

mehrerer Parlamente, unter andern des von Metzz(Urtheile vom 1 Julius und 14 Dezember 1691) weniger beſtimmt war die Jurisprudenz des Parlaments von Paris. Der Grund jenes Unterſchiedes iſt augenfaͤllig: Krankheiten im Allgemeinen ſind Calamitäten der Natur, welchen die Tugend ſo wie das Laſter ausgeſetzt iſt; die Luſiſenche hingegen iſt die Strafe von Ausſchweifungen, welche der Unſchuldige nicht tragen darf. Auch kann eine Frau ſich gegen jede andere Krankheit leich⸗ ter ſchutzen, als gegen dieſe, die unter dem Schleier des Ver⸗ gaügens den Keim der Aufloßung verbirgt. 2) Auch der Wahnſinn und ſelbſt die Wuth des Mannes war im Allgemeinen keinhinlaͤnglicher Grund zur Trennung von Tiſch und Bett. Doch hat man einige Beiſpiele von gegen⸗ theiligen Entſcheidungen. 2) Auf welche Art ward die Rlage auf Trennung einge⸗ leitet? In Frankreich war dieſe Klage ſtets von der Kompetenz des welt⸗