Teil eines Werkes 
Erste Abtheilung, Privatrecht : Zweiter Theil (1809)
Entstehung
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nichtig erblären zu laſſen. Der Grundſaßz der Unaufidosbarbdit einer rechtsguͤltigen Ehe ward ſeitdem unbedingt undlſtrenge gehand⸗ habt, ſo daß nicht eininal die Ausnahme, welche in den Dekretalen(Cap. 2. X. de convers. conjug. Cap. 11 eod,) zu Gunſten des Kloſterlebens gemacht wird, und auf dem beruͤchtigten Unterſchied zwiſchen dem ma⸗ trimonium ratum und dem matrimonium ratum atque consummnatum beruht, in Frankreich allgemein und ohne Widerſpruch angenommen war⸗

Da jedoch Leichtſinn, Sittenverderbniß und Leidenſchaft die Harmo⸗ nie, welche unter Ehegatten herrſchen ſollte, nur allzuofe in einem Grade ſidren, der ihnen das gemeinſchaftliche Leben unertraͤglich und oft ſogar gefaͤhrlich macht, ſo ſah man ſich von jeher gendthigt, fakti⸗ ſche Trennungen ſelbſt in dem Augenblick zu erlauben, wo die Geſetz⸗ gebung und die Jurisprudenz das Band der Ehe für unaufloslich er⸗ klaͤrten. Die Trennung von Tiſch und Bert, welche die hauptſächlichſte Wirkungen der Ehe zwar ſuspendirte, das Band der Ehe jedoch beſtehen ließ, trat demnach an die Stelle der Cheſcheidung⸗ Wir wollen kurz die Grundſätze der ältern Jurisprudenz in Hinſicht auf dieſe Trennungen durchgehen⸗

1) welche Urſachen berechtigten zu einer Blage aufDren⸗

nung von Tiſch und Bett?

*) Da, ſtrenge genommen, der Frau allein das Recht zuſtand, auf Trennung von Tiſch und Vett zu klagen, ſo war die Klage, welche der Mann im Falle des Ehebruchs der Frau, anzuſtel⸗ len befugt war, eigentlich eine peinliche Krage, deren Titel die erlittene Beleidigung und die Beſtrafung der Ehebrecherin war. Allein nach der einſtimmigen Jurisprudenz aller Gerichtshoͤfe des Koͤnigreichs ſprach daſſerbe Urtheil, welches die Frau als des Ehebruchs ſchuldig zu der geſetzlichen Strafe der Novelle 139 verurtheilte(doch fiel ſeit dem 16 Jahrhundert die Strafe der Geiſſelung weg) zugleich die Trennung von Tiſch und Vett aus. Nahm der Mann ſeine Frau in den zweien Jahren nicht zuruͤck, ſo ſchnitt man ihr die Haare ab, und ſie mußte die Tracht der Kloſterfrauen, bei welchen ihr der Aufenthait angewieſen wor⸗ den, annehmen. That ſie jedoch nicht freiwillig gerſniche Geluͤbde, ſo behielt ſie nicht allein die buͤrgerliche Fähigseit, ſondern auch die Freiheit, ſich nach dem Tode ihres Mannes anderweitig zu verheurathen, ſo wie es durch die Urtheilsſpruͤche des Parlaments von Paris, vom 16ten Jenner und axten Juni