Teil eines Werkes 
Zweites Stück (1808)
Entstehung
Seite
112
Einzelbild herunterladen

112

eoupable d'abus de pouvoir ou de deni de ju-

ftice ſtanden. In der Sitzung vom 4ten Thermidor

war auch dieſer Artikel, ſo wie der folgende, in der Art,

wie beide im Project ſtanden, ohne Widerſpruch an⸗

genommen worden, und hatte Portalis dabei blos

bemerkt, daß der Artikel keinen andern Zweck habe, als

die Richter abzuhalten, ihre Entſcheidungen entweder ganz zu ſuspendiren, oder doch willkuͤhrlich aufzuſchie⸗ ben, dadurch, daß ſie an den Geſetzgeber referirten. Eben dieſer Portalis bemerkte bei den in einer an⸗ dern Sitzung folgenden Debatten uͤber den Artikel, daß man zwiſchen Civil⸗ und Criminalfaͤllen, mit Hinſicht

auf richterliche Entſcheidungen, diſtinguiren muͤſſe.

In Criminalfaͤllen koͤnne der Richter ſo nicht anders entſcheiden, als wenn das Geſetz eine Handlung, die

als Verbrechen angeklagt worden, ausdruͤcklich zum Ver⸗ brechen gemacht, und daran eine Strafe geknuͤpft haͤt⸗

1

te. In Civilfaͤllen ſei das anders: hier muͤſſe der

Richter durchaus uͤber alle Faͤlle, die vor ihn gebracht wuͤrden, entſcheiden, und finde er in den Geſetzen kei⸗

ne Regeln fuͤr ſeine Entſcheidung, ſo muͤſſe er auf die

natuͤrliche Billigkeit zuruͤckgehen. Roͤderer mein⸗

te, es werde doch dem Nithter zu viel eingeraͤumt,

wenn man ihm erlauben wollte, uͤber einen Fall zu ent⸗ ſcheiden, uͤber welchen das Geſetz gaͤnzlich ſchwei⸗

ge; nur die doctrinelle Erklaͤrung der Geſetze, und die

Entſcheidung in Gemaͤßheit dieſer Erklaͤrung, koͤnne man ihm geſtatten. Es gaͤbe Faͤlle von der aͤußerſten Wichtigkeit, und die ſelbſt in die politiſchen Ver⸗ haͤltniſſe eingriffen, woruͤber der Code ein gaͤnzliches Stillſchweigen beobachte, z. B. die Succeſſion eines Auslaͤnders. Der Richter werde hier offenbar die

Luͤcken ausfuͤllen muͤſſen, welche die Geſetzgebung ge⸗

laſſen haͤtte, wenn er doch in dergleichen Faͤllen erken⸗

nen ſollte, was ihm offenbar nicht gebuͤhre. Die⸗