76 I. Buch. 10. Titel. 2. Cap.
392. Die Ernennung eines Rathgebers kann nur auf eine der folgenden Arten geſchehen:
1) Durch eine letzte Willensverordnung;
2) Durch eine vor dem Friedensrichter mit Zuziehung ſeines Secretaͤrs, oder vor Notarien geſchehene Erklaͤrung.
393. Iſt die Frau bey dem Abſterben ihres Mannes ſchwanger, ſo ſoll der Leibesfrucht von dem Familienrathe ein Curator beſtellt werden.
Bey der Geburt des Kindes wird die Mutter ſeine Vor⸗ muͤnderin, und der Curator wird alsdann, kraft des Geſe⸗ tzes, Gegenvormund.
394. Die Mutter iſt zur Annahme der Vormundſchaft nicht verbunden; doch muß ſie, wenn ſie dieſelbe ablehnt, die damit verbundenen Pflichten ſo lange erfuͤllen, bis ſie einen Vormund hat ernennen laſſen.
395. Will die Mutter, welche die Vormundſchaft fuͤhrt, ſich wieder verheirathen, ſo muß ſie noch vor der Ab⸗ ſchließung der Heirath den Familienrath zuſammenberufen,
welcher ſodann entſcheidet, ob ihr die Vormundſchaft an⸗
vertraut bleiben ſoll.
Unterlaͤßt ſie dieſe Zuſammenberufung, ſo verliert ſie, kraft des Geſetzes, die Vormundſchaft, und ihr neuer Ehemann iſt fuͤr alle Folgen der widerrechtlichen Beybe⸗ haltung ſolidariſch verantwortlich.
396. Wenn der gehoͤrig zuſammenberufene Familien⸗ rath die Vormundſchaft der Mutter uͤberlaͤßt, ſo muß er ihr nothwendig den zweyten Ehemann als Mitvormund beyordnen, und dieſer wird alsdann fuͤr die nach der Hei⸗ rath gefuͤhrte Verwaltung ſolidariſch mit ſeiner Ehefrau verantwortlich.
Zweyter Abſchnitt.
Von der durch die Lltern uͤbertragenen Vormundſchaft.
397. Das beſondere Recht, einen Vormund zu waͤhlen, mag ſolcher ein Verwandter oder ſelbſt ein Fremder ſeyn, ſteht nur dem Laͤngſtlebenden der Eltern zu.
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