I. Buch. 10. Titel. 1. und 2. Cap. 75 Zehnter Titel.
Von der Minderjaͤhrigkeit, der Vormundſchaft und der Emancipation.
Erſtes Capitel. Von der Minderjaͤhrigkeit.
388. Minderjaͤhrig iſt jeder, ohne Unterſchied des Ge⸗ ſchlechtes, der das ein und zwanzigſte Jahr ſeines Alters noch nicht zuruͤckgelegt hat.
Zweytes Capitel. Von der Vormundſchaft. Erſter Abſchnitt. Von der Vormundſchaft der Lltern.
389. Der Vater iſt, waͤhrend der Ehe, Verwalter des ſeinen minderjaͤhrigen Kindern perſoͤnlich zugehoͤrenden Ver⸗ moͤgens.
Doch iſt er, in Hinſicht desjenigen Vermoͤgens, deſſen Benutzung ihm nicht zuſteht, ſowohl uͤber das Eigenthum, als uͤber die Einkuͤnfte, und in Anſehung deſſen, woran ihm das Geſetz den Nießbrauch verſtattet, übrr das Eigenthum allein, Rechnung abzulegen verbunden.
390. Wenn die Ehe durch den natärlichen oder buͤrgerli⸗ chen Tod eines der Ehegatten aufgeloͤst wird, ſo gebuͤhrt die Vormundſchaft uͤber die minderjaͤhrigen und nicht eman⸗ cipirten Kinder, kraft des Geſetzes, dem uͤberlebenden Ehegatten.,
391. Der Vater kann gleichwohl der uͤberlebenden Mut⸗ ter und Vormuͤnderin einen beſondern Rathgeber beyordnen, ohne deſſen Gutachten ſie keine, auf die Vormundſchaft ſich beziehende, Handlung vornehmen darf.
Beſtimmt der Vater die einzelnen Handlungen, fuͤr welche der Rathgeber ernannt ſeyn ſoll: ſo iſt die Vormuͤnderin befugt, die uͤbrigen ohne deſſen Beyſtand vorzunehmen.


