I. Buch. 8. Titel. 2. Cap. 7¹
362. Ein Ehegatte kann nur mit Bewilligung des andern der Pfleger eines Kindes werden.
363. Der Friedensrichter des Ortes, wo das Kind ſeinen Wohnſitz hat, nimmt ein Protocoll uͤber die das pfleg⸗ elterliche Verhaͤltniß betreffenden Geſuche und Einwilligun⸗ gen auf.
364. Nur zum Vortheile ſolcher Kinder, die noch nicht funfzehn Jahre alt ſind, kann dieſe Pflege ſtatt finden. Sie fuͤhrt, mit Vorbehalt jeder befondern Uebereinkunft, die Verbindlichkeit mit ſich, den Pflegling zu ernaͤhren, zu erziehen und in den Stand zu ſetzen, ſich ſeinen Lebens⸗ unterhalt zu erwerben.
365. Wenn der Pflegling einiges Vermoͤgen hat, und vorher unter Vormundſchaft ſtand, ſo geht die Verwal⸗ tung ſeines Vermoͤgens eben ſo, wie die Aufſicht uͤber ſeine Perſon, auf den Pfleger uͤber, der jedoch die Erziehungs⸗ koſten von den Einkuͤnften des Pfleglings nicht abziehen darf.
366. Wenn der Pfleger nach dem Ablaufe von fuͤnf Jah⸗ ren ſeit der uͤbernommenen Pflege, in der Beſorgniß, vor des Pfleglings Volljaͤhrigkeit zu verſterben, denſelben durch eine letzte Willens-Verordnung an Kindesſtatt annimmt: ſo ſoll dieſe Verfuͤgung guͤltig ſeyn, vorausgeſetzt, daß der Pfleger keine ehelichen Kinder zuruͤcklaͤßt.
367. Stirbt der Pfleger entweder vor Ablauf dieſer fuͤnf Jahre oder nachher, ohne ſeinen Pflegling an Kindesſtatt angenommen zu haben; ſo ſoll dieſem, ſo lange er minder⸗ jaͤhrig iſt, der Lebensunterhalt gereicht, deſſen Betrag und Beſchaffenheit aber, in Ermangelung einer vorher daruͤber getroffenen foͤrmlichen Uebereinkunft, entweder freundſchaft⸗ lich unter den beyderſeitigen Stellvertretern des Pflegers und des Pfleglings, oder, im Falle eines hieruͤber entſtan⸗ denen Streites, gerichtlich beſtimmt werden.
368. Will der Pfleger ſeinen Pflegling, nachdem er voll⸗ jaͤhrig geworden, mit deſſen Zuſtimmung an Kindesſtatt annehmen: ſo wird nach den. im vorhergehenden Capitel beſtimmten Formen zur Adoption geſchritten, deren Wir⸗ kungen in jeder Hinſicht die naͤmlichen ſind.


