Druckschrift 
Napoleons Gesetzbuch
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen

50 I. Buch. 6. Titel. 2. Cap.

es den Tag und die Stunde beſtimmt. Es verfuͤgt die Mit⸗ theilung der Verhandlungen an den koͤniglichen Procurator und beſtellt einen Referenten. Dieſe Verfuͤgung wird dem Beklagten, auf Anſuchen des Klaͤgers, binnen der darin beſtimmten Friſt mitgetheilt.

257. An dem zur Ertheilung des Endurtheils feſtgeſetz⸗ ten Tage haͤlt der dazu beſtellte Richter ſeinen Vortrag. Die Parteyen koͤnnen hierauf entweder ſelbſt, oder durch ihre rechtlichen Beyſtaͤnde, alle ihnen zweckdienlich ſcheinen⸗ den Bemerkungen vorbringen: worauf ſodann der koͤnig⸗ liche Procurator ſeinen Antrag thut.

258. Das Endurtheil wird oͤffentlich ertheilt. Laͤßt es die Eheſcheidung zu, ſo erhaͤlt der Klaͤger die Befugniß, ſich zu dem Beamten des Perſonenſtandes zu verfuͤgen, um dieſelbe von dieſem ausſprechen zu laſſen.

259. Ward wegen harter und grauſamer Mißhandlun⸗ gen oder grober Beleidigungen die Eheſcheidung nachgeſucht: ſo bleibt es den Richtern, wenn gleich die Klage gehoͤrig begruͤndet iſt, unbenommen, die Eheſcheidung noch nicht ſogleich zuzulaſſen. Sie berechtigen in dieſem Falle, ehe ſie entſcheiden, die Frau, ſich der Geſellſchaft ihres Man⸗ nes zu entziehen, ohne ihn, wenn ſie es nicht fuͤr gut findet, bey ſich anfnehmen zu muͤſſen, und verurthei⸗ len den Mann, wenn ſie ſelbſt keine zur Beſtreitung ihrer Beduͤrfniſſe hinreichenden Einkuͤnfte hat, ihr eine jaͤhr⸗ liche, ſeinem Vermoͤgen angemeſſene, Unterhaltsſumme zu bezahlen.—

260. Nach dem Ablaufe eines Probejahres kann, wenn die Parteyen ſich inzwiſchen nicht wieder vereinigt haben, der klagende Ehegatte den andern vorladen laſſen, um in den geſetzlichen Friſten vor Gericht zu erſcheinen, und das daſelbſt auszuſprechende Endurtheil, welches alsdann die Eheſcheidung zulaͤßt, anzuhoͤren.

261. Wird die Eheſcheidung aus dem Grunde nachge⸗ ſucht, weil einer der Ehegatten zu einer entehrenden Strafe verurtheilt iſt: ſo beſtehen die zu beobachtenden Foͤrm⸗ lichkeiten einzig darin, daß man bey dem Gerichte erſter