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In dem Parke wurden nach Angaben Kettenberg's, der ſelbſt zugegen war, von geſchickten Handwerkern aus der Stadt Ehrenpforten errichtet; Laubguirlanden, an denen Later— nen aus farbigem Papier befeſtigt waren, von Baum zu Baum gezogen, während auf dem freien Platze jenſeits des Teiches, dem Schloſſe gerade gegenüber, ein Feuerwerker die Vorrichtungen zu ſeinen prachtvollen Kunſtſtücken traf. In dem Schloſſe ſelbſt lief es geſchäftig Trepp auf, Trepp' ab. Trotzdem man ſchon acht Tage lang gearbeitet hatte und dabei kaum zu Bett' gekommen war, gab es doch noch eine Welt zu thun. Eben war die Nachricht gekommen, daß der Prinz von Loben⸗Reizenſtein ſelbſt, der an Stelle der penſionirten Excellenz von Schnabelsdorf das Corps⸗ Commando interimiſtiſch übernommen hatte, das Feſt mit ſeiner Gegenwart beehren werde. Er hatte freilich gebeten, keine Umſtände irgend welcher Art zu machen; „aber du lieber Gott!“ ſagte die Präſidentin, „man weiß ja, was das in dem Munde der hohen Herren zu bedeuten hat! Eine kleine Aufmerkſamkeit: ihr Namenszug in Brilliant— feuer mit einer Krone darüber, Tuſch bei ihrer Ankunft u. ſ. w. erfreut ſie doch. Man darf es ſich doch nicht mer— ken laſſen, Kind, daß er im Grunde nur um Deinethalben kommt.“
Camilla lächelte: „Um meinethalben? weßhalb ſollte
er gerade um meinethalben kommen?“
„Willſt Du dich deiner Mama gegenüber auch ver⸗ ſtellen, Du Unart,“ ſagte die zärtliche Mutter, indem ſie mit einer Art von Ehrfurcht das herrliche braune Haar ihrer angebeteten Tochter ſtreichelte. „Habe ich es um Dich verdient, daß Du vor mir Geheimniſſe haſt? Denkſt Du: ich habe nicht geſehen, mit wie verliebten Blicken der Prinz gleich am erſten Abend, als er bei uns war, an Deiner Schönheit gehangen hat? Nein, mein Liebling, ſo etwas entgeht mir nicht; ich ſchwelge in Deinen Triumphen!“ und ſie ſchloß ihr Herzenskind an ihren Buſen.
„Aber er hat mir doch geſagt, daß er nun bald heirathen ſoll?“ meinte Camilla, Umarmung losmachend.
„Ja, du lieber Himmel, das iſt nun einmal nicht anders bei den großen Herren; ſie müſſen heirathen aus Staatsintereſſen; aber ſie behalten dabei doch ihr Herz für ſich, und wer kann es ihnen verdenken, wenn ſie es d Allerſchönſten ſchenken? Ach, mein Kind nicht ſagen, wie mein Herz bei d ——
S Einfluß an
ſelbſt ſich aus der mütterlichen
ein ente Dir doch: Fugend Einfluß iſt es antommt. Haſt Du Macht über den , ſo beugt ſich Alles vor Dir.“ „Und Schnepper?“ Die Präſidentin zuckte die Achſeln: „Er wird ſich in ein Schickſal finden, das er ſich vorausſagen mußte, als er die Frechheit hatte, Deine Hand zu beanſpruchen; und findet er ſich nicht, deſto ſchlimmer für ihn.“ „Glaubſt Du, daß wir ſo leicht mit ihm fertig werden?“ „Eine ſchöne und kluge Frau wird immer mit ihrem Manne fertig, mein Kind.“ „Aber er hat mir ſchon wegen des Prinzen Dinge ge⸗ ſagt, Mama,“ — . „Pah! das iſt ſo die erſte Eiferſucht! ſo was legt ſich. Es kommt darauf an, ob ſeine Eiferſucht größer iſt, als ſein Ehrgeiz. Und dann, was für Anſprüche kann er denn an Dich machen! Es iſt ja geradezu lächerlich, — ſo ein er Geck“ c huſe hn. „Glaubſt Du, daß ich ihn liebe? Wir wollen ihm ein Leben bereiten, daß er Dich auf den Knieen um Gnade bitten ſoll.“ „Es iſt doch ſchade, daß der Wolfgang nicht zu halten war,“ ſagte das Fräulein ſinnend. „Kind, was fällt Dir denn nur ein?“ rief die Präſi⸗ dentin; „ich kenne Dich gar nicht wieder! Wie kannſt Du nur mit einem Gedanken an dieſen Landſtreicher, dieſen Taugenichts denken? Weißt Du denn, daß man ihn allge⸗ mein in Verdacht hat, den Münzer befreit zu haben? Der Menſch iſt ja geradezu zum Straßenräuber geworden; aber freilich, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Aber jetzt
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muß ich mich einmal nach Aurelien umſehen; ich wette, daß
ſie noch nichts in Ordnung hat; es Sorgen mir das Mädchen macht.“
Unterdeſſen war Fräulein Aurelie (noch im Morgen— anzuge) in den Park gegangen, um Kettenberg die Nachricht von der bevorſtehenden Ankunft des Prinzen ſelbſt zu über⸗ bringen, anſtatt den Auftrag durch einen der Bedienten ausrichten zu laſſen, wie die Mutter es ihr geheißen hatte. Fräulein Aurelie hatte Kettenberg ſeit den drei Tagen, die er auf dem Gute war, immer nur im Vorübergehen geſehen, und die Gelegenheit, ihn vor ihrer Hochzeit noch einmal ungeſtört zu ſprechen, kam ihr gerade recht. Kettenberg ſtand in Hemdsärmeln auf einer hohen Leiter und malte mit Kreide einen Namenszug, der hernach in farbigen Lampions ausgeführt werden ſollte, auf das Frontiſpice einer Ehrenpforte, als Aurelie herantrat.
„Na, das kommt noch gerade zur rechten Zeit,“ rief der Maler; „fünf Minuten ſpäter, und Ihr holder Name hätte hier geprangt. Haben Sie ſonſt noch weitere Befehle?“
„Die Mama wünſcht, daß der Feuerwerker auch irgend⸗ wie etwas arrangire.“
„Werde mich mit dem Edlen in Verbindung ſetzen. Sonſt noch etwas?“
Fräulein Aurelie ſchien keine Eile zu haben, in das Schloß zurückzukommen; ſie ſetzte ſich auf ein paar noch an der Erde liegende Flaggenbäume, und ſah zu, wie Ketten⸗ berg Schnörkel in Schnörke zog und oben darüber eine rieſige Krone mit ein paar kecken Strichen zeichnete.
„So,“ ſagte Kettenberg, „das wird ausreichen.“ Er ſtieg von der Leiter herab, zog ſich ſeinen Rock an und blickte prüfend zu ſeiner Zeichnung hinauf.
„Nicht übel, Fräulein Aurelie? meinen Sie nicht auch?“
„Vorzüglich,“ ſagte Aurelie.
„Aber Sie ſehen ja nicht iſt einmal hin?“
„Was kann Ihnen denn auch an meinem Urtheil noch iegen?“
„Sind wir ein wenig ſentimental?“
„Das verlohnte ſich bei Ihnen auch der Mühe!“ „Nein wahrhaftig! Da haben Sie Recht. Weßhalb ſagen Sie das aber in einem ſo tragiſchen Ton?“ ſer, ein Verräther ſind.“
chte Sie hielten heute Hochzeit!“ das?“ — nicht wiſſen; ich weiß es gewiß nicht.“ „Sie wiſſen es nur zu wohl!“
„Auf Ehre!“
„Lügen Sie nicht.“
„Sie werden grob, Aurelie!“ „Haben Sie nicht Antonien's Bild gemalt?“
„Ich habe Sie auch in Lebensgröße gemalt; ſogar zweimal.“
„Aber Sie ſind nicht mit mir nach Italien gereiſt.“
„Aber da waren Sie ja ſchon mit dem Baron verlobt!“
„Gleichviel; ich wußte, daß Sie mit ihr davon gehen würden.“
„Nun, das iſt wahrhaftig alles Mögliche! Alſo das wußten Sie! Wußten Sie denn auch, daß meine liaison dangereuse ſo verzweifelt kurze Zeit dauern würde?“
„Sie lieben ſie ja noch!“
„Auf mein Wort und meine Ehre, — nein!“
„Sie ſind aber in letzter Zeit ſehr häufig bei ihr ge⸗ weſen.“
„Dafür bin ich aber auch ſeit drei Tagen hier und arbeite für die Ausſchmückung Ihres Hochzeitsfeſtes wie ein Tagelöhner.“
„Schlimm genug, daß Sie ſich nicht ſchämen, mir meine Hochzeit zu ſchmücken.“
„Du biſt toll, Aurelie.“
„Das habe ich nicht um Dich verdient!“
Sie waren unter dieſem Geſpräche in eine Allee ge— kommen, in welcher man ſie von dem Platze aus, wo die Leute arbeiteten, nicht mehr ſehen konnte. Aurelie warf ſich auf eine Bank und fing in ihrer leidenſchaftlichen Weiſe an, zu weinen und zu ſchluchzen.
„Aber Aurelie!“
iſt unglaublich, was für
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in Lebensgröße
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