Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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ſprochen, entmuthigende Gleichgültigkeit gegen das, worin er ſeinen Mannesſtolz ſetzt, ſchon auf dem Geſicht entgegentragt!

Euch alſo, ihr Männer, die ihr euch in eurer Aufgabe unterſtützt ſehen möchtet; euch, ihr Frauen, die ihr begriffen habt, daß euer Blick in unſrer Zeit wirklich noch etwas über Kammer und Küche hinausreichen muß; euch, ihr Jünglinge, die ihr friſch von den Urquellen der Schönheit in den Dicht⸗ werken der Alten in die ſtaubige Arena des öffentlichen, mo⸗ dernen Lebens tretet; und euch, den Mühſeligen und Beladenen, die ihr von des Tages Laſt und Hitze zu ermattet ſeid, um euch eingehend mit denTagesfragen zu befaſſen und doch nicht achtlos daran vorübergehen wollt und könnt euch Allen iſt dieſe Wochenſchrift gewidmet, euch Allen will ſie in eurem Streben rathend, helfend, erheiternd, vielleicht auch manchmal tröſtend zur Seite ſtehen.

Iſt dieDeutſche Wochenſchrift deshalb ein politiſches Blatt? oder kann ſie nur daran denken wollen, die Lectüre und

das Studium der politiſchen Blätter, der Zeitungen zu erſetzen? Wer das glaubte, für den hätten wir Alles, was wir geſagt haben, umſonſt geſagt. Nein! dieDeutſche Wochenſchrift iſt keine Zeitung. Sie bringt weder, noch behandelt ſie politiſche Nochrichten; ſie iſt ſo wenig eine Zeitung, wie der, welcher durch Kunſtgeſpräche und Kunſtaufſätze den Sinn für die Malerei weckt, belebt, bildet, ein Maler iſt; aber wie der Maler, der Künſtler überhaupt, als eines Vermittlers zwiſchen ſich und dem Publikum, des Kunſtfreundes, des Liebhabers, des Aeſthetikers bedarf, ſo und in demſelben Maße meinen wir, daß auch die Staatskünſtler, die Politiker, der Belletriſtik bedürfen, damit dieſe ihnen den Weg bereite; und weil wir unſererſeits nur einen Weg ſehen, auf dem der wahre Fortſchritt, d. h. das Heil des deutſchen Volkes möglich iſt, ſo haben wir uns eben bezeichnet als das, was wir ſind und bleiben werden:Ein Organ der deutſchen Fortſchritts

belletriſtiſches O partei. Der Herausgeber.

Das Lurnen bei den alten Griechen und bei uns.

Es ſind nun über 50 Jahre her, daß das Turnen in Deutſchland aufgekommen iſt. Jahn hat es zuerſt ſeinem Weſen nach definirt, und ſeitdem ſtehen Zielpunkte und Mittel im Ganzen für jeden deutſchen Turner unverrückbar feſt; das Syſtem iſt fertig, nur im Detail wird noch gefeilt und ge⸗

meißelt. Die Literatur hat ſich der Turnkunſt ebenfalls be⸗ mächtigt. Die Wiſſenſchaft hat die Gliederung einem Organis⸗

mus gleich aufgebaut, die Medicin weiß das Turnen zu ver⸗ werthen. Es fehlt dem Turnen nicht an Organen für die Oeffentlichkeit, Capacitäten erſten Ranges vertheidigen es von der parlamentariſchen Rednerbühne aus. Dreimal hat die preußiſche Regierung einen mächtigen Anlauf genommen, die Turnkunſt in ihr Erziehungsſyſtem zu bringen. Nach den Befreiungskriegen, deren Vorbereitung die erſten Turnplätze ge⸗ ſchaffen und deren Schlachten die Turner mit ausfechten halfen, erlaubte die reorganiſirte Staatsgewalt der Schuljugend in höhern und elementaren Anſtalten, an den Uebungen, die ein⸗ zelne Turnlehrer einrichteten, Theil zu nehmen, erkannte die Heilſamkeit der Turnkunſt an, war mit dem Zweck einver ſtanden, den man darin fand, tüchtige Staatsbürger zu bilden, und wollte das Turnen auf allen preußiſchen Schulanſtalten einführen. Aber zugleich arbeitete man an einem Reglement dafür, damit es nicht etwa in gouvernementswidrigen Sprüngen ſich erluſtigte und controlwidrig, wo nicht gar unpreußiſch, ſich betrüge. Man fand auch ſehr bald heraus, daß es nicht für Plebejer und Bauern paſſe. Nur die höhern Schulanſtalten, aus denen Ofiziere hervorzugehen pflegten, ſollten turneriſch geübt werden. Ehe ein Jahr nach dieſer miniſteriellen oder cabinetlichen Entdeckung verfloſſen war, erſuchte man die Turner, ihre Uebungen vor der Hand einzuſtellen und verkaufte ihr Turngeräth als altes Holz zum Beſten der Regierungskaſſen und Communen. Man hatte eine neue Entdeckung oder viel⸗ mehr Erfahrung gemacht daß das Turnen für das öffent⸗ liche Staatswohl nicht erſprießlich ſei. Dem muß man jetzt vollſtändig beiſtimmen: für das Staatswohl, wie es die da⸗ malige Regierungsvernunft auffaßte, war es abſolut ſchädlich, und man muß die damalige Generation bedauern, daß ſie aus Idealismus oder politiſchem Aberglauben der Regierung eine andre Anſicht vom Staatswohl unterzuſchieben ſuchte, als welche ſie ſelbſt überall erklärte.

Die preußiſche Regierung und ihr folgten die andern

deutſchen nach hatte dreifache Gründe, das Turnen zu ver⸗ bieten. Turner hielten bei Feſten öffentliche Reden, Turner beſchäftigten ſich mit dem Gedanken eines deutſchen Vaterlandes, und begingen zum Theil fanatiſche Thaten für dieſe Idee, für welche die deutſchen Regierungen ſeit dem 18. Juni 1815 ein Monopol zu haben ſchienen; Turner endlich wagten die Sache des Turnens als eine nationale den Zopfphiliſtern gegenüber zu vertheidigen, und dies durften doch eigentlich nur die Regierungs⸗ behörden; der Verſtand der Turner war ja auch nur beſchränkter Unterthanenverſtand. Die drei Individuen, die den Regierungen Anlaß gaben, die Schädlichkeit des Turnens zu beweiſen, waren Maßmann, der jetzige Profeſſor in Berlin, Sand, ehemals Bundesbruder Leo's in Halle, und Paſſow, der durch ſein Lexikon in weiten Kreiſen bekannte, längſt hingegangene Pro⸗ feſſor in Breslau. Maßmann, damals jenenſer Student, hatte in Liegnitz beim Katzbachfeſt eine patriotiſche Rede gehalten, Sand den Kotzebue erſtochen, Paſſow ſeinen Collegen Steffens wacker abgekanzelt. Dieſer hatte geſagt, bei uns Deutſchen ſei das Turnen nur Caricatur; es fehle viel, daß es zu einem ſolchen Lebenselement werde, wie bei den Griechen; bei ihnen habe es in der ganzen Harmonie des Lebens gelegen, bei uns paſſe es nicht in die Sitten, in die Lebensart, es ſei gemacht und demzufolge unwahren Weſens. Der Mann hatte nicht ſo Unrecht, werden wir ſehen, traf aber nicht ganz den letzten Grund, warum es dem Turnen an Lebenskraft fehlte, ſonſt hätte er wohlweislich ſtillgeſchwiegen. Aber etwas Recht hatte er, auch die Regierungen hatten das Richtige getroffen, wenn ſie dem Turnen als ſtaatsgefährlicher Neuerung Einhalt thaten. Nur war es Geſpenſterfurcht, wenn man glaubte, auf den Turnplätzen würden in direkter Unterweiſung Königsmörder und Rebellen unterwieſen und erzogen.

Im Jahre 1842 ſprangen mancherlei Knöspchen auf. König Friedrich Wilhelm IV. führte das Turnen als ſtaatlich protegirtes Bildungsmittel der höhern Schulanſtalten ein. Turnvereine entſtanden nur vereinzelt; in größerer Anzahl wieder erſt 1848, was auf's Neue den Büreauhelden viel Kopfzerbrechens machte. Wieder mußten es Turner ſein, die ſich in den extremſten politiſchen Parteien thätig zeigten. Ganze Vereine kämpften in Dresden, in der Pfalz und in Baden. Die Turnvereine wurden in Folge deſſen maſſenhaft aufge⸗ hoben oder gingen von ſelbſt ein, weil ſie für politiſche erklärt