Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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des Volkes ſelbſt. Alſo kann bei uns von Abkaufen eines Gewaltrechts nicht die Rede ſein; daß aber die Fürſten ſich als Hüter der gemeinen Wohlfahrt hingeſtellt haben, das hat zur Folge gehabt, daß ſie auch in alle innern Angelegenheiten ihrer Unterthanen ſich das Recht der Einmiſchung, Anord⸗ nung und Ueberwachung zugeeignet haben. Sichſt Du, lieber Kannegießer, nun wähle, willſt Du die gute alte Zeit wieder, von der Du träumſt und um die Du klagſt, oder wirſt Du Dich doch noch in die neue ſchicken? Ich vermeine Deine Antwort zu hören, denn Du meinſt, indem Du immer noch Dein Lieblingsſteckenpferd aus der Vergangenheit nicht weg⸗ werfen magſt, daß bei aller Verpfändung der Länder, bei Strandrecht und Geleit, bei Wegezoll und Fauſtrecht doch weder Fürſt noch Pfaff' dem braven Zunftgenoſſen, dem Rittersmann und dem freien Bauern in ſeinen Topf habe gucken dürfen, daß die Fürſten baar Geld nur auf Anſuchen, nach Drängen und Würgen erhielten, gegen allzuläſtige Zölle aber Gewalt immer Gewalt vertreiben konnte, wozu die ſtädtiſchen Schmiedefäuſte und die bäuriſchen Morgenſterne ganz probate Mittel waren. Du meinſt, der Fürſt habe zwar ſich um die Einzelnen und ihre Wohlfahrt nicht ge⸗ kümmert und vielfach in Saus und Braus gelebt, jeder habe aber innerhalb ſeines Standes, in ſeinen Burgmauern, inner halb ſeiner Stadtumwallung ungeſtört von einer eingreifenden Staatsbehörde frei ſchalten und walten können, und jede Genoſſenſchaft habe ſich ſelbſt regiert; die Stände aber hätten ſich deshalb zuſammengethan und abgeſchloſſen, um keinen Oberherrn Eingriffe in ihren freien Beſtand zu ge⸗ ſtatten. Das ſei immer noch beſſer, als alle Bequemlichkeiten unſres Staatslebens zu genießen, dafür aber auch regelmäßig Steuern über Steuern zu zahlen, ſich polizeilich in allem Thun und Treiben reguliren und organiſiren zu laſſen. Da⸗ mals habe jeder Stand ſelbſt Wehr und Waffen geführt, und der Kampf habe kurze Zeit gedauert, der die Zunftge noſſen vom Gewerbe abhielt; die Militairpflicht aber umfaſſe drei volle Jahre und die Unſicherheit des Dienſtes auch noch ſiebzehn Jahre.

Ja, Du Angreifer der guten alten Zeit,

regierung der Corporationen herrſchte, die Zeiten haben ſich geändert, und bei all Deinem Klagen kommt die Zeit weiland Kaiſer Werzel's und Sigismund's, des Hußverbrenners, nicht zurück. Unbeirrt zu bleiben in ſeinem Stand, iſt gewiß ſchön, und Selbſtregierung und Selbſtbeſchützung auch; aber dafür reichte die Politik und die Macht damals auch nicht über den nächſten Kirchthurm. Jetzt aber brauchen wir Baumwolle aus Amerika und Indien, und Telegraphie über alle Welt. Das verträgt ſich nicht mit Kirchthurmſelbſt⸗ regierung. Wir müſſen einer Staatsidee huldigen, welche die trotzige Unabhängigkeit der Einzelnen dem Gemeinwohl in großen Staatencomplexen dienſtbar macht. Eine einzige Regierung vertheilt über viele Millionen die Sorge für ihre Wohlfahrt, ihre Sicherheit und ihr geiſtiges Gedeihen und muß mindeſtens, mit Rückſicht auf's gemeine Beſte, alle Be⸗ ſtrebungen ſo weit im Auge behalten, daß ſie dem Gemein⸗ wohl nicht ſchaden.

Gefällt Dir's aber nicht, lieber Freund und Kirchthurm⸗ freiheitsliebhaber, daß man für Dein Beſtes ſorgen will, ohne Dich zu Rathe zu ziehen, ſo denk' ich, iſt's faſt nirgends mehr Sitte, Steuern zu erheben und zu verwenden, ohne das Volk zu fragen, ob's ihm zu viel wird, und was ihm ſelbſt ſeine Wohlfahrt zu ſein ſcheint. Sonſt hätteſt Du auch nicht ganz Unrecht mit Deinen Lobſprüchen der guten alten Zeit. Wenn Du aber uns die vielen Fluß und Grenzzölle entgegenhältſt, die außer allen direkten und indirekten Steuern auf dem Handel und Verkehr laſten, wenn Du meinſt, daß es auf dem Vater Rhein jetzt auch nicht beſſer ſei, als auf der Donau zu Rudolf's, des Königsſohns, von Oeſterreich Zeiten, wenn Du ſelbſt vielleicht geſehen haſt, wie die Schiffe vor den preußiſchen Zollbüreaus über Sonntag, 24 Stunden Zeit, und wenn Nebel eintraf, noch viel länger haben müßig liegen müſſen dann freilich können wir nur mit Dir in den Wunſch einſtimmen, daß, wenn man das Volk für die Wohlfahrt nicht ſelbſt mehr ſorgen läßt durch eigne Hülfe, man doch ſeine Anliegen, wie man für es ſorgen ſolle, raſcher erfülle, und Handelsfreiheit, Gewerbe⸗

wo Selbſt freiheit und Freizügigkeit einführe. F.

Bei Otto Janke in Berlin ſind folgende Werke erſchienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: gen 3 3

Uudmig van Beethoven Leben und Schaffen.

von Adolf Bernhard Marp. Mit autographiſchen Beilagen. 2. ſehr ver⸗ 2 Bände.

2 Theile. mehrte und gänzlich veränderte Auflage. Preis 4 Thlr.

Es iſt ein Lebensbild von ſchönſtem Gehalte. Das einfache, oft ſo getrübte Leben des erhabenen Meiſters bot ſeinem Biographen nicht das bunte Farbenſpiel dar, das Händel's und Mozart's Jugend umwob, nicht jenen behagens⸗ und ſchimmervollen Ueberfluß, in welchem Spätere geboren wurden, oder den Andere zu erwerben und zu genießen verſtanden. In unſcheinbarer Enge ſeinen Lebens⸗ lauf beginnend, lernte Beethoven nicht, zu beſitzen und ſich ein ſicheres freies Daſein zu bauen, während außerdem noch ein un⸗ heimlich Geſchick in den inneren Organismus zerſtörend eingriff und ihn in die Einſamkeit ſtieß, die er nur mit ſeinem Genie theilte. Alle dieſe Momente ſind von B. Marx mit pſychologiſcher Meiſter⸗ ſchaft erfaßt und in plaſtiſchen Formen zu einem Lebensbild voll innerer und äußerer Wahrheit geſtaltet.

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Verantwortlicher Redacteur: Fr. Spielhagen in Perlin.

Es wird gebeten den einliegenden Beſtellzettel gefälligſt beachten zu wollen. M

Die Bewunderung, die ſich B. Marx durch dieſe Arbeit er⸗ rungen, wird auch, und vielleicht noch ausgebreiteter durch ſein neueſtes Werk ihm zu Theil werden:

Gluck und die Vper.

Von Adolf Bernhard Marr.

Mit dem wohlgetroffenen Portrait Gluck's, einem Autographen und vielen Muſikbeilagen. 2 Bände. Preis: 5 Thlr. 10 Sgr.

Glänzender, weil es dem unſterblichen Componiſten vom Ge⸗ ſchick gegönnt war, ſich in den Kreiſen des Glanzes zu bewegen, konnte ſich folgerecht auch die Darſtellung ſeines Biographen geſtalten. Mit begeiſterter deutſcher Glut hat Marx den Kampf zweier Volks⸗ und Kunſtprincipe geſchildert, der um Gluck's hohe That die geiſt⸗ reichſten Köpfe Frankreichs gegen einander ſchaarte, die noch heute unentſchiedene Spaltung, in die der Kampf den ſchimmernden Königs⸗ hof von Verſailles und das königliche Paar ſelbſt hineinriß. Nur eine ſolche Capacität, wie Marx, war im Stande, den Genius eines ſolchen Künſtlers nebſt all ſeinen Gebilden im rechten Lichte zu er⸗ forſchen und in klaſſiſcher Schönheit vor dem Auge der gebildeten Welt erſcheinen zu laſſen.

Verlag von Ptto Zanke's Deutſcher Wochenſchriſt (Otto Fanke & Co.) in Perlin.

Druc von Otto Janke in Berlin.

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