ſchnittspreiſen in der Regel nicht überſteigen, aber geringer ſein ſollte, wo es unbeſchadet der inländiſchen Gewerbſamkeit ge⸗ ſchehen könnte.“
Auf Grund des nach dieſen Grundſätzen ausgearbeiteten, für die damalige Zeit überaus freiſinnigen Tarifs, konſtituirte ſich ſpäter der deutſche Zollverein. In den ſeitdem vergangenen drei Jahrzehenden herrſchte in der Tarifgeſetzgebung des Zoll⸗ vereins Stillſtand und Rückſchritt. Zahlreiche Zollſätze, nament⸗ lich für ſogenannte Halbfabrikate Eiſen, Garn,) wurden erhöht. Im Allgemeinen aber wurden die urſprünglich mit reichlich zehn Prozent des Durchſchnittswerthes beme ſſenen Zollſätze für Fabrik⸗ und Manufakturwaaren, auch wo ſie unverändert blieben, ver⸗ hältnißmäßig dadurch erhöht, daß in Folge der Fortſchritte, welche die Gewerbſamkeit durch Ausbildung der Arbeitstheilung und des Maſchinenweſens machte, die Preiſe der betreffenden Waaren weſentlich herabgingen. Beiſpielsweiſe kauft man eine Elle Sammtmancheſter, welche noch 1825 1 Thlr. koſtete, gegenwärtig in beſſerer Qualität für 10 Sgr., eine Elle ge⸗ druckter n 78 breit, welche damals 15 — 20 Sgr. koſtete, wird jetzt, 2/s breit, mit 4 Sgr. verkauft. In Folge ſo groß⸗ artiger Preisumwälzungen iſt es gekommen, daß Zölle, welche damals mit zehn Prozent des Werthes bemeſſen waren, jetzt fünfzig und hundert Prozent deſſelben überſteigen, daß dieſelben Zollſätze, die damals eine mäßige Beſteuerung ausmachten, welche Handel und Luxus ohne Erſchwerung des Verkehrs tragen konn⸗ ten, jetzt für zahlreiche, namentlich für gröbere Artikel derſelben Klaſſe, thatſächlich ein Verbot der Einfuhr bilden.
Dieſer Stagnation unſerer Tarifgeſetzgebung gegenüber, die ſich namentlich in der jüngſten Zollvereinsperiode, wo das Be⸗ dürfniß nach Reformen ſtieg, in unerträglichem Maaße fühlbar machte, iſt, auch abgeſehen von dem erwähnten Preisrückgange, im wirthſchaftlichen Leben eine Entwickelung vor ſich gegangen, welche den urſprünglich liberalen Tarif in ſein Gegentheil ver⸗ kehrte und die Handelspolitik des Zollvereins, welche damals im liberalen Fortſchritt an der Spitze der civiliſirten Nationen ſtand, gegenwärtig neben Oeſterreich und Rußland in den letz⸗ ten Nachtrab verſetzt hat. Dieſe Entwickelung liegt in zwei Momenten.
Erſtens hat ſich ſeit der Gründung des Zollvereins mit der Vervielfältigung und Verwohlfeilerung der Verkehrsmittel der internationale Verkehr den großartigſten Dimenſionen entfaltet. Die Vermehrung des Verkehrs hat aber ihre Urſache nicht etwa lediglich in einer des Verbrauchs und folgeweiſe der Produktion, ſondern ganz beſonders auch in der Vermehrung der Theilung der Arbeit unter den Nationen. Wenn Jeder ſelbſt verfertigt, was er verbraucht, ſo findet kein Ver⸗ kehr ſtatt, die Conſumtion mag ſo groß ſein, wie ſie will. Je mehr aber ſich jeder Einzelne auf den Arbeitszweig konzentrirt, in welchem er am meiſten leiſtet, um ſo mehr haben die Ein— zelnen unter einander auszutauſchen, und dieſe Vermehrung des Verkehrs bewirkt eine Vermehrung des Wohlſtandes und Ver⸗ brauchs dadurch, daß bei ſolcher vermehrten Theilung der Arkeit jeder Einzelne mehr produzirt, im Ganzen alſo von allen Ein⸗ zelnen mehr Befriedigungsmittel verzehrt, mehr Kapitalmittel übergeſpart werden. Daſſelbe Geſetz, wie zwiſchen den Einzelnen, gilt auch zwiſchen den Völkern. Vermehrter internationaler Verkehr bedeutet vermehrte Theilung der Arbeit unter den Na⸗ tionen, in der Weiſe, daß jede Nation vorzugsweiſe dasjenige erzeugt, was ſie nach Klima, Lage, Bodenbeſchaffenheit, Volks⸗ art am wohlfeilſten und reichlichſten erzeugen kann, und ſich dagegen von den anderen Nationen dasjenige eintauſcht, was dieſe aus ähnlichen Gründen am wohlfeilſten erzeugen. Mit der vermehrten Theilung der Arbeit unter den Nationen ſteigt
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aber wieder das Bedürfniß nach vermehrtem und ungeſtörtem Verkehr, werden alſo die dem Verkehr auferlegten Feſſeln, weil ſie zugleich der Konkurrenz mit anderen Völkern in gleichartigen Erzeugniſſen Erſchwerung ſchaffen, läſtiger und nachtheiliger. Iſt es doch mit den Flußzöllen, Kanal⸗ und Eiſenbahntarifen genau eben ſo: Sätze, welche vor zwanzig Jahren als mäßig und liberal gerühmt wurden, ſieht man heute mit Recht als übermäßig und gemeinſchädlich angefeindet.
Wurde nun ſchon durch die Entwickelung des Verkehrs und der Verkehrsmittel der unveränderte Tarif zu einer immer ſchwerer empfundenen, immer ſchädlicheren Laſt, ſo wurde der Zuſtand geradezu unerträglich und gefahrvoll dadurch, daß ſich der Stagnation im Zollverein gegenüber bei den übrigen Völkern Europa's ein mehr oder weniger raſcher Fortſchritt zu liberaleren Grundſätzen entwickelte. England reformirte ſeinen Tarif von Jahr zu Jahr und iſt gegenwärtig ſo weit gediehen, daß es Schutzzölle, d. h. eine Fernhaltung fremder Fabrikate, welche mit dem heimiſchen auf dem einheimiſchen Markt konkurriren wollen, durch Auferlegung von Grenzzöllen, nicht mehr kennt. Oeſterreich ging vom Prohibitivſyſtem zu einem dem zollvereins⸗ ländiſchen faſt gleichen Syſteme des Zollſchutzes über. Belgien, Holland, Italien, ſelbſt Rußland reformirten ihre Tarife. End⸗ lich lenkte Frankreich, welches die Prohibition am längſten auf⸗ recht erhalten hatte, durch den mit England abgeſchloſſenen und ſpäter auf Belgien ausgedehnten Handelsvertrag, deſſen ſehr liberaler Tarif beſtimmt war, durch eine Reihe anderer Ver⸗ träge auf den Verkehr mit allen Nationen ausgedehnt zu wer⸗ den, in die Bahn einer liberalen Tarifpolitik über. Dieſer Um⸗ wandlung Handelspolitik der anderen Nationen Europa's gegenüber konnte der Zollverein nicht mehr in der Stagnation ſeiner Tarifgeſetzgebung verharren. War früher der Schutzzoll⸗ tarif, welcher die Verbrauchs⸗ und Produktionsmittel vertheuert, eine ſchwere Laſt für die zollvereinsländiſche Induſtrie, ſo litten doch die auf dem Weltmarkte konkurrirenden Induſtrieen anderer europäiſchen Länder unter der nämlichen Laſt, es waren alſo die Vorausſetzungen der Konkurrenz auf dem Weltmarkte ziemlich gleich. Entfernen andere Völker die in der künſtlichen Unter⸗ bindung des internationalen Verkehrs liegenden Hemmniſſe der gewerblichen Produktion, befähigen ſie ſich durch wohlfeile Be⸗ ſchaffung der Produktionsmittel und naturgemäße Vertheilung und Concentration der Produktionskräfte wohlfeiler und reich⸗ licher zu produziren, ſo iſt unſer Gewerbfleiß, wenn wir nicht ein Gleiches thun, der Konkurrenz der übrigen Induſtrievölker nicht mehr gewachſen und wird durch dieſelbe vom Weltmarkte ausgeſchloſſen. Er tritt zu den konkurrirenden Induſtrieen des Auslandes in daſſelbe Verhältniß, wie das zünftig gebundene Handwerk, welches die naturgemäße Theilung der Arbeit aus⸗ ſchließt, zu der auf Theilung der Arbeit und Concentration der Mittel beruhenden Fabrikinduſtrie; er wird, wie jenes, aus dem Felde geſchlagen.
Zu dieſen von Grund aus veränderten Verhältniſſen trat die Ueberzeugung von der Ungerechtigkeit und Schädlichkeit des herrſchenden Zollſchutzſyſtems hinzu, die darin liegt, daß daſſelbe die Verbraucher durch künſtliche Vertheuerung der Waaren zu Gunſten der Erzeuger beſteuert, ohne dieſen letzteren, die durch die Ausſchließung der Konkurrenz an Strebſamkeit und Muth einbüßen, ernſtlich zu nützen, daß daſſelbe ferner, indem es ge⸗ wiſſe Induſtrieen begünſtigt, dem einen Landestheil zu Gunſten eines andern ſchwere Laſten auferlegt, die Capitalien aus natur⸗ gemäßer und deshalb vortheilhafter in nicht naturgemäße und deshalb minder vortheilhafte Gewerbzweige leitet und, an Stelle einer naturwüchſigen und kräftigen, eine ſchwächliche Treibhaus⸗ induſtrie erzieht. Die volkswirthſchaftliche Agitation hatte dieſer
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