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Gluck.
(Zu ſeinem Bilde.)
Du Alter, mit dem Flammenaug' unter der felſigen Stirn, mit dem Antlitz, auf dem die Leidenſchaften alle, höchſtes Entzücken und tiefſtes Weh ſich mit ehernem Griffel eingegraben, das übergoſſen und zerfetzt iſt, gleich Mirabeau's Antlitz, des erſten Helden der Revolution, von der ätzenden und reinigenden Seuche Deines Jahrhunderts: was willſt du, Alter, in unſerm Kreiſe? was ſuchſt du am Ufer der ſchleichenden Spree?
Haſt du da unten vernommen, daß man bei uns, von wo der alte Fritz dich einſt mit Scheltworten zurückſtieß, weil er, der ächte große Deutſche, der wahre Kö⸗ nig von Preußen, trotz aller Deutſchheit nur welſche Kehlen und fran⸗ zöſiſches Geplauder hö⸗ ren wollte, — daß man bei uns dich erkannt, mit Lieb' und Verehrung im Herzen dich trägt! Hat dir Beethoven, oder ſonſt wer, hinterbracht — denn ſo ganz ſtumm könnt ihr Weltbeweger da drunten doch nicht ruhen! — daß dein Wien dich vergeſſen, wie ihn ſelber, als der ſüße Roſſini auf dem ſchellenumhangenen Roß ſeinen Einzug gehalten? Ja, du haſt deinem Wien viel geſpendet, und es hat dich vergeſſen. Grolle darum nicht, ſchilt es nicht, du kennſt es ja!
Betrachte dir noch ein⸗ mal das leichtblütige Volk an der Donau,
dies Schooßkind deut⸗ ſcher Natur, wie die ſelbſtvergeſſene Luſt von den ſteyriſchen Bergen zu ihm niedertanzt, — wie die Rebenhügel des nachbarlichen Magyaren⸗ landes ihm ihre Zucker⸗ feuerſtröme hineingießen in das ohnehin ſchon wallende Blut, — wie Welſchland, noch geſtern die Sclavin der üppigen Herren, mit dem Blicke voll nachttiefer, verſtohlener Glut, zu den Genüſſen ſeines ſybaritiſchen Lagers hinwinkt! Betrachte dies Wellengeſchaukel der Gemüther, das ſich einſtellen muß, wo Halbkultur und feine, zum Müßiggang beſtimmte Bil⸗ dung aus ewig geſchiedenen Völkerquellen zuſammenfließen in ein prächtig geſchmücktes weites Gefäß! Iſt da jenes ernſt⸗ liche Beharren zu fodern, das die Armuth des Nordens mit ſpartaniſcher Strenge gebietet? Wien hat dich, wie nach dir Beethoven und die Andern, heiter empfangen, hat dir
das Leben leicht gemacht, dich geliebt, umjubelt — und dann hat es dich hinausziehen laſſen und unbekümmert dich ver⸗ geſſen; denn ſchon winkten ihm andre Genüſſe, ſchon mußt' es andre und andre Jünger der Muſen und Söhne der Luſt empfangen und am ſtets empfänglichen Buſen erwärmen. Es iſt die Pflegemutter aller Sänger, kann bei keinem einzelnen weilen.
Und dafür iſt es ganz aus Einem Guſſe, von den Kaiſern und Prinzen, bis zu jenen Kohlenträgern, die einſt unter ihrer ſchweren Bürde ſtillſtanden, um den ehrwürdigen Beethoven nicht im tiefen Sinnen zu ſtören. Jene Kaiſer und ihre Metter⸗ niche wußten auch, was ſie thaten. Ein muſi⸗ zirendes Volk iſt kein politiſches und leicht zu gängeln; das iſt Erb⸗ weisheit, die ſchon Cyrus gegen die Lydier geübt, es iſt Weisheit von Got⸗ tes Genaden.
Du hatteſt es doch geliebt, dein Wien. Im⸗ mer wieder kehrteſt du zu ihm zurück; und zu⸗ letzt, müde der Kämpfe und Lorbeern, die das brauſende Paris dir ge⸗ ſpendet, ſuchteſt du bei der alten Pflegemutter die verdiente Ruhe, bis du zur letzten Ruhe hin⸗ ſankſt.
Warſt du wirklich ſo ruhig im Gemüthe, wenn du Abends im ſelbſter⸗ worbenen, ſelbſtgepfleg⸗ ten Garten wandelteſt? Warſt du wirklich ſo ruhig, als du des jungen Mozart „Euführung aus dem Seraiks gehört und den Jüngling mit ſeiner Konſtanze feſtlich bewir⸗ thet hatteſt, und nun ſtill unter deinen Bäumen und Reben ſanneſt? Neidlos und leicht konnte dein Blick hinüberſchweifen von der neuen Oper zu der deinen, die zwanzig Jahr früher daſſelbe erzählt und nun ganz ohne Widerſpruch übertroffen war. Da kam dir wohl dein Lieblings⸗ troſt in den Sinn: Niemand kann alles; und iſt er klug, ſo will er nicht, was er nicht kann. Damit hatteſt du den leichten Spielen abgeſagt und den Menſchenkindern Worte voll Ewigkeit zugerufen. Dachteſt du damals nicht auch jenes Abends, wo deine „Iphigenie in Tauris“ die Gemüther der Franzoſen gefangen nahm, wo ſie alle zitterten im Hin⸗
blick auf Oreſt, der dem Opfertode von der Hand der
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