Periodikum 
Otto Janke's Deutsche Wochenschrift : Monatsausg.
Entstehung
Berlin Im Digitalisierungsprozess 1863/1864, 1863-1863
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13 Laß mich zufrieden, ſagte die junge Dame mürriſch. Mein Himmel, wer thut Dir denn was? meinte die Schweſter;was kann denn ich dafür, daß das gnädige Fräu⸗ lein heute nicht ausgeſchlafen hat? ich habe Dir geſtern Abend oft genug geſagt, Du ſollteſt nicht ſe viele Extratouren tanzen.

Damit Du doch ja nicht zu kurz kämeſt, höhnte Camilla.

O, mein Schatz, es hat mir bis jetzt noch nie an Tän⸗ zern gefehlt, trotzdem ich allerdings noch keinen Maler zur Desperation gebracht, auch ſonſt kein Malheur durch meine Schönheit angerichtet habe.

Müßt Ihr Euch denn immer zunken, Kinder, ſagte die Präſidentin, die Handſchuhe von den fetten weißen Händen

hre ſei Gott in der Höhe!

Weihnachts⸗Arabeske von Albert Träger.

Ehre ſei Gott in der Höhe! verſuchte mit zitternder Stimme der Cantor und Dorfſchulmeiſter Gotthard Wieduwilt daheim in ſeinem engen Stüblein. Bei der Liturgie des eben beendeten Advents-Gottesdienſtes war es ihm ſchier unmöglich geweſen, glücklich auf dieHöhe zu gelangen ob ganz unge⸗ wöhnlicher Widerſpenſtigkeit ſeiner Kehle. Er mußte ſich wohl erkältet haben, denn genoſſen hatte er vorher nichts, als ein Schälchen ſo dünnen Gebräues aus wenig Kaffee und viel Möhrenzuthat, wie ihm ſeine würdige Hausehre eben auf den Tiſch ſetzte, und wenn Fett der Stimme ſchadet, ſo kam ihm von Rechtswegen die ſchönſte im ganzen Dorfe zu, wenigſtens faſt keiner der Inſaſſen ſo magere Biſſen als er.Laß es nicht kalt werden, mit dieſer Mahnung trieb ihn ſeine Ehe⸗ hälfte wieder von der mühſam erklommenenHöhe herunter, der Ofen war ſo nicht heiß. Lieber Himmel, das wird ein ſchöner Winter werden; Schnee und Eis genug, und kein Holz; faſt das ganze Dorf iſt noch mit dem Deputat im Rückſtande. Man muß arme Leute nicht drücken, bemerkte, ſich räuspernd, der Cantor.Arm! eiferte die Hausfrau, deren Redefluß durch teine Rückſicht auf einen etwa verbrennenden Braten beengt ward, denn dergleichen Prachtſtücke zierten nur an den höchſten Feſttagen den Tiſch, und ihre beſcheideneMehlpfanne gedieh im Commune-Backhaus unter ſicherer Obhut,wer iſt ärmer im Dorfe denn der Schulmeiſter?! Neunzig Thaler Gehalt und das Bischen Land, von dem keine Pacht eingeht, ſeit wir zu alt, uns ſelbſt damit zu plagen.Nun, wir ſind doch noch nicht verhungert, begütigte der Cantor und machte den Verſuch, wieder einzuſetzen, nachdem er ſich abermals geräuspert hatte.Wenn man aber am Hungern ſtürbe, fiel mit giftigem Tone die Antwort ſo ſchnell ein, daß ihm die Stimme verſagte, dann wären wir ſchon längſt todt.Nun. ich bin ja auch in Anbetracht des ſtrengen Winters und meines Alters um eine außerordentliche Unterſtützung eingekommen.Das wird Dir viel helfen, ſeit wir den neuen Paſtor haben. Hätteſt Du lieber die Petition mit unterſchrieben, die Dir der junge Schulmeiſter aus Etzdorf herüberſchickte.Das würde mir auch nichts ge⸗ holfen haben. Das Abgeordnetenhaus iſt ja aufgelöſt worden, ehe es darüber berathen konnte.Aufgelöſt! ſie ſind davon geſchickt worden, weil ſie haben wollten, daß die Soldaten nur zwei Jahre dienen ſollen. Und das finde ich auch ganz ver⸗ nünftig, denn dann käme unſer Fritz ſchon nächſten Herbſt wie⸗ der nach Hauſe, könnte Meiſter werden und hier und da uns unterſtützen in unſerer Drangſal. So aber hat er mir geſtern geſchrieben, daß er nicht einmal zu Weihnachten Urlaub bekommt. Ich möchte ihm gar ſo gern etwas ſchicken, aber ſie konnte nicht weiter, die Augen gingen ihr über, ein ſchwerer Seufzer

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ſtreifend,ich dächte, unſere Situation wäre ohnehin ſchon uner⸗ quicklich genug. Die Situation iſt ſo ſchlecht nicht, Mama, ſagte das Fräulein, ſich auf den Hacken wiegend,wenn wir nur was zu eſſen hätten. Ich fange an, ſchanderhaft hungrig zu werden. Das iſt das zweite Mal in fünf Minuten, daß Du das Wortſchauderhaft in den Mund nimmſt, ſagte Camilla. Du gebrauchſt noch ganz andere Wörter, entgegnete die Schweſter. Aber Kinder! beſchwichtigte die Mutter, die zuſammen⸗ gefalteten Handſchuhe auf den Tiſch werfend. (Fortſetzung folgt.)

entrang ſich der beklemmten Bruſt.Ei, ei, liebe Frau! ent⸗ gegnete der Eheherr unter leiſem Kopfſchütteln etwas gepreßt und gezwungen,ei, ei, wie kommſt Du zu der ſündhaften Po⸗ litik? Das iſt keine Weiberſache.Ach was, wenn eine Mutter ihr einziges Kind unter den Soldaten hat, wird ſie das wohl auch angehen. Geleſen hab' ich's im Volksboten, den Du ja hältſt. Der Cantor fuhr wie vor Schreck zuſammen, ſah ſich ſcheu um, unterließ auch nicht, einen forſchenden Blick durch das Fenſter zu werfen und erwiderte dann:Den Volksboten halten? ich? bewahre! Allerdings ſchickt ihn der Nachbar Becker mir manchmal herüber.Na, fuhr die Frau unwillig dazwiſchen,mir gegenüber wirſt Du Dich doch nicht etwa ver⸗ ſtellen wollen! Wir ſind hier in unſeren vier Pfählen und tönnen reden, wie es uns um's Herz iſt, der Paſtor wird nicht an jeder Thüre horchen. Haſt vierundſechzig Jahre lang den Leuten gerade in's Geſicht geſehen und willſt jetzt auf Deine alten Tage den Duckmäuſer ſpielen! Schäme Dich! Wer ſo redlich wie Du ſeine Pflicht erfüllt und Gott und den König ehrt, dem können ſie nichts anhaben! Diesmal ſeufzte der Cantor, ſchickte einen zweifelnden Blick zum Himmel empor und intonirte, wie um ſeine Frau nicht wieder zum Worte kommen zu laſſen:Ehre ſei Gott in der Höhe! Herein! Und herein tritt mit barſchem Gruße der Po⸗ lizeiverwalter und Schulzenamtsverweſer des Dorfes; der Cantor bewillkommt ihn verbindlichſt und ſchiebt ſogleich einen der we⸗ nigen altersſchwachen Stühle hin; auch die Frau Cantorin knirt ſich erhebend. Der geſtrenge Herr dagegen findet ſich nicht ver⸗ anlaßt, darauf zu rückſichtigen, oder Höflichkeit mit Höflichteit zu erwidern. Er entblößt nicht einmal ſein hohes Haupt, das macht freilich die alte Gewohnheit, er war früher Gensdarm, und bekanntlich darf ein Gensdarmenhelm wie jede andere mili⸗ täriſche Kopfbedeckung nicht einmal im Gerichtszimmer abge⸗ nommen werden, wo doch im Namen des Königs Recht geſprochen wird, geſchweige denn in einer ganz gewöhnlichen Dorfſchulmeiſter⸗ Stube. In ſeine jetzige Stellung war er von der Regierung beordert, die den von der Gemeinde vorgeſchlagenen Schulzen nicht beſtätigt hatte, weil, ſo ging das Gerücht, er bei der letz⸗ ten Wahl dem ſiegreichen liberalen Candidaten, einem reichen, allgemein hochgeachteten Rittergutsbeſitzer, ſeine Stimme gegeben hatte, doch war dies jedenfalls nur eine Verleumdung Böswil⸗ liger.Cantor! ſo herrſcht mit finſterer Amtsmiene der Viel⸗ gewaltige, deſſen ſchwere ſäbelgewohnte Fauſt die eichte Feder nur mit äußerſter Anſtrengung zu regieren vermag iht mi einen Bericht machen. Habe geſtern einen Auslän Landſtreichens und Bettelns über die Grenze trans laſſen.Wo war er denn her?Da drüben aus S