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das dieſe Wünſche zu erfüllen unternimmt, nicht, Alles in Allem, ein gewiſſes Anrecht auf Deine Theilnahme, auf Deine Unterſtützung hat?
Aber, ſagſt Du, es ſcheint mir, daß ihr außer dieſen ernſten und gewiß löblichen Zwecken noch allerhand Allotria zu treiben beabſichtiget. Ich ſehe da den Anfang eines
Romans — ganz richtig! wir wollen auch Allotria treiben, damit das Ding nicht gar zu ernſthaft und ſauertöpfig wird. Wir dachten, daß Du — keineswegs ein Kind ſeieſt,
das man mit Märchen abſpeiſt, aber, wie der Sultan Saladin, „ein Freund von Geſchichten, gut erzählt“, und dann dachten wir, daß ſich in den mehr oder weniger gut erzähl⸗ ten Geſchichten vielleicht Manches ſagen ließe, was zu ſagen uns faſt das Herz abdrückt, und wir doch, aus gewiſſen Gründen. in klarer, unverblümter Proſa nicht ebenſowohl ſagen könnten. So ſehr es uns nun aber auch um Deine Gunſt zu thun iſt, lieber Leſer, und ſo einladend wir Dir unſer Vorhaben gern darſtellen möchten, ſo haben wir uns doch nicht entſchließen können, unſer Blatt zu einem ſogenannten „illuſtrirten“ zu machen, d. h. Dich mit Bildern zu be⸗ helligen, die oft weiter nichts illuſtriren, als die geringe Meinung, welche der Herausgeber von dem Verſtande und dem Geſchmack der Leſer hat. Dagegen verſprechen wir Dir, daß überall da — aber auch nur da — wo in techniſchen d anderen Artikeln das Verſtändniß des Textes eine luſtration wirklich erfordert, wir den Griffel des Künſtlers cht verſchmähen werden.
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Und nun möchteſt Du noch gern wiſſen, wer denn die Leute ſind, welche es übernommen haben, alle die ſchönen Verſprechungen, die wir in unſer Schaufenſter ſtellten, zur Wahrheit zu machen. Aber, antworte ſelbſt, was hülfe es Dir groß, wenn wir hier eine Reihe von Namen trefflicher Schriftſteller herdruckten, von denen wir, der Wahrheit gemäß, verſicherten, daß ſie Alle uns ihren Beiſtand, ihre Mit⸗ wirkung zugeſagt haben? Wie nun, wenn dieſe Namen — es ſoll das wirklich manchmal vorkommen — nur Namen blieben? wenn die trefflichen Schriftſteller zu andern, vielleicht größeren Dingen, denen ſie um des allgemeinen Beſten willen ihre Kraft nicht entziehen dürfen, berufen würden? und was dergleichen Fatalitäten mehr ſind? O ja, wir könnten Dir Namen nennen, Namen von gutem Klang — und viel⸗ leicht findeſt Du einen oder den andern ſolchen ſchon in dieſer Probenummer — aber wir meinen, wenn irgendwo, ſo heißt es hier: an ihren Früchten ſollſt Du ſie erkennen. Und, wie Leſſing ſagt, ſoll ja das Werk das beſte ſein, über deſſen Betrachtung man nach dem Namen des Mannes, der es geſchaffen hat, zu fragen vergißt.
Zuletzt und vor allem, lieber Leſer, um dieſe lange Vorrede kurz zu ſchließen: habe ein wenig Vertrauen zu uns und ein wenig Nachſicht mit uns, und dann, wenn Vater Apollo und die neun Muſen ſonſt günſtig ſind, kann es gar nicht fehlen, daß Du und wir mit der Zeit noch einmal recht gute Freunde werden.
Friedrich Spielhagen.
Die von Hohenſtein.
Roman von . Friedrich Spielhagen.
Wehe dem Volke, das tief genug geſunken iſt, um im entſcheidenden Augenblicke über ſeine Auf⸗ gabe ungewiß zu ſein! ihm iſt dauerndes Elend, gänzliches Verderben gewiſſes Loos. Das Schickſal Polens, das ſeinen Staat ſeiner Ariſtokratie zum Opfer brachte, ſteht ernſt warnend an der Schwelle des Entſchluſſes, der den Staat dem Stande unter⸗
ordnet. „Die Gegenwart“ vlI. 558. 1.
„Himmelhöllenelement, verfluchter Kerl, weiß Er nicht, daß Er mir nicht aus dem Schlafe wecken ſoll!“
„Ich dachte, Excellenz —“
„Habe ich nicht ſchon tauſend Mal geſagt, daß Ihr das
Denken mir überlaſſen ſollt? Was bringt der Tölpel denn da?“ 3 „Eznen Brief,“ ſagte der Mann trotzig, ſtellte den Präſentirteller mit dem Briefe auf den Tiſch, einige Schritte von der Stelle, wo der General in ſeinem Lehnſtuhl ſaß, und wandte ſich zu gehen.
„Iſt der Dummkopf verrückt geworden,“ ſchrie der Alte und eine rothe Zorneswolke ſtieg an ſeiner hohen kahlen
Stirn auf; „kann er mich nicht den Brief hierher an meinen
Stubl bringen, wie's ſich gehört?“ 3 wieder den Stock von Excellenz an die 9 te Knochen ſchmerzen mich noch;“ murmelte
„ 6 den beſchleunigte, ohne ſich umzuſehen, ſeine S nand, der ſchnell von einem Orte weg will, 0 ihm nicht geheuer dünkt.
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eer noch nicht die Thür hinter ſich zugezogen, rer Gegenſtand hinter ihm herpolterte. Der
General hatte mit einer Kraft und Sicherheit, die man ſeiner Gebrechlichkeit nicht zugetraut hätte, die kleine Bank, auf der ſeine gichtiſchen Füße ruhten, dem ungehorſamen Diener an den Kopf werfen wollen und ſtatt ſeiner nur den Thürpfoſten getroffen. Der Fehlwurf reizte ſeinen ohnehin ſchon erregten Zorn noch mehr; und wer den alten Mann jetzt geſehen hätte, wie er eine Fluth von Schimpfwörtern und Verwün⸗ ſchungen mit gellender Stimme kreiſchte, während die kleinen ſchwarzen Augen unter den ſtruppigen, auf⸗ und niederzucken⸗ den Brauen Blitze ſchoſſen, die blauen Adern an den hohen Schläfen wie Aeſte anſchwollen, und alle Glieder von dem Zornfieber geſchüttelt wurden — der mußte glauben, einen Tobſüchtigen vor ſich zu haben, der von ſeinen Wärtern alſobald in die Zwangsjacke geſchnürt werden würde.
Da öffnete ſich die Thür, welche aus dem Gartenſaal, in welchem der General ſaß, in das Innere des Schloſſes führte, und eine kleine dicke Frau trat raſch herein, ſchloß die Thür hinter ſich ab, glitt raſch über den parquettirten Boden nach dem einzigen der vier Fenſter, deſſen Vorhänge noch nicht heruntergelaſſen waren, ließ auch dieſe herab, ſo daß eine grüne Dämmerung in dem ſchönen hohen Gemache entſtand, ſchritt dann auf den noch immer tobenden General zu, blieb, die Fäuſte feſt in die Seite geſtemmt, vor ihm ſtehen und ſchrie, mit dem linken Fuße ſchnell und heftig auf dem Boden ſtamßfend:
„Daß Dich! Daß Dich! ſoll das heute den ganzen Tag ſo gehen! ſoll das kein Ende nehmen!“
Der Anblick dieſer Frau ſchien die Wuth des Generals
wo möglich noch zu vermehren. Es war, als ob der bos⸗
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