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VI.
„Der Morgen, der neue, „Bringt öfters ſpäte Reue.“
Bei den Verlobten, deren Geſchichte in dieſen Blättern, war das der Fall, wie bei Vielen. Aber der falſche Ehren⸗ punkt wollte die Oberhand auch bei ihnen, wie bei ſo Vielen behaupten.
Erſtens ſchrieben Alfred und Malbina, ein Jedes von ihnen mit blutendem Herzen, dem Andern den Scheidebrief.
Zweitens ſchickten ſie genannte Trennungsakte durch ver⸗ trauteſte Boten einander ins Haus, und dieſe Boten hatten den bon sens, die verhängnißvolle Schrift eine Stunde ſpäter abzuliefern, als ſie ſollten, ſo daß Malbina und Alfred ſchon ausgegangen waren, als die Depechen eintrafen.
Drittens gingen beide— zu Lindemann, um ihre ange⸗ fangenen Bildniſſe zu reklamiren. Sie ſollten— ewige Denk⸗ mäler der ſchmerzlichſten Trennung— unbollendet in den Händen der Beſteller und Geſchilderten verbleiben.„Um des maledeiten Porträts willen hab' ich Malbvina vernachläßigt!“ warf ſich Alfred vor.„Um des unſeligen Porträts willen hab' ich meinen Alfred belogen, betrogen, eiferſüchtig gemacht!“ klagte ſich Malvina an.„Aber,“— ſetzte ſie hinzu—„das gab ihm nicht das Recht, an meiner Seite, an meiner Herzens⸗ ſeite einzuſchlafen! Der kalte Böſewicht!“—„Aber,“— ſetzte auch Alfred hinzu,—„das berechtigte ſie nicht, ſich von Gyl⸗ ders heimlich lieben zu laſſen, und mit ihm— ich fürchte—


