319
den Blicken und dem Tone ſowohl, als aus den Worten ſchließt, ſie ſei der Gegenſtand dieſer hoffnungsloſen Leidenſchaft.
Die Frauen lieben es, hoffnungsloſe Leidenſchaften ein⸗ zuflößen, denn ſelbſt die Weltlichſten des ſchönen Geſchlechtes behalten immer noch ein wenig von dem Romanhaften ihrer Jugendzeit, wie die Blumen, obgleich verwelkt, immer noch einen leichten Ueberreſt von ihrem urſprünglichen Wohlgeruch bewahren.
Ich hatte eine Erklärung dieſer Art angefangen, wobei ich durch meine großartigen Worte die Bewunderung, die ich für ſie fühlte, in eine des Helden eines franzöſiſchen Melo⸗ drams würdige Leidenſchaft verwandelte. Während dieſer Rhapſo⸗ die ſchien ſie halb erfreut, halb verwirrt, wie eine Frau, welche ſchwach, aber nicht laſterhaft iſt und ſich durch ihre eigene Thorheit die Beleidigung zugezogen hat, die ich ihr zu machen im Zuge war, eine Beleidigung, zu der eine Frau bevollmäch⸗ tigt, ſobald ſie unklug genug, indiscret genug iſt, in den Bu⸗ ſen eines Fremden ein Geſtändniß niederzulegen, das nicht an den rechten Ort kommt, und meine Leſerinnen erlauben mir, ihnen zu ſagen, daß Geſtändniſſe dieſer Art unabänderlich als ein unmittelbares Entgegenkommen von ihrer Seite betrachtet werden.
Ich war mitten in meiner leidenſchaftlichen Erklärung, als ſich die Thüre öffnete und ein Mann von mittlerem Alter, von ſehr gutem Ausſehen, von ausgezeichneten Manieren und der verführeriſchſten Miene eintrat. Beiläufig muß ich bemer⸗ ken, daß mir oft die ſeltſame Ungleichheit aufgefallen iſt, welche die Männer von einem gewiſſen Alter und ihre ſchöneren Hälf⸗ ten bieten, die häufig die älteſten Töchter oder die jüngeren


