Zeitschriftenband 
Band 3 (1847) Band 3
Einzelbild herunterladen

310

wenn ich mich unter dem Dache des Hauſes befand, das ſie bewohnte.

Ich fühlte mich übrigens verwirrt und gedemüthigt, ſo oft Lady Delafield über meine häuslichen Gewohnheiten und meine ſitzende Lebensweiſe in Extaſe gerieth, und beſonders in Lobſprüchen über das uneigennützige Opfer, das ich ihr mit meiner Zeit und mit meiner Bequemlichkeit brachte, ausbrach.

Die gute alte Dame bildete ſich nicht ein, ich ſei der Sklave einer Leidenſchaft, welche ſtärker war, als mein Wille, und mein Benehmen werde mir einzig und allein durch die Selbſtſucht dictirt. Sie ſprach mir unabläßig über ihre Nichte und dies war ein Gegenſtand, über den ich hätte Tag und Nacht, ohne müde zu werden, reden können. Sie erzählte mir tauſend Fälle aus der Kindheit und der erſten Jugend von Lady Marie. Eines Tags, ich werde es nie vergeſſen, ſagte ſie mir, ſie habe oft gedacht, ich ſei für ihre Nichte geſchaffen. Sie beſitzen, ſprach ſie,dieſelbe Liebe für das ſtille, häus⸗ liche Leben, und dennoch hätten Sie vielleicht nicht für ein⸗ ander getaugt, fuhr ſie fort,denn die Aehnlichkeit des Ge⸗ ſchmacks erzeugt nicht immer die Liebe. Ich erinnere mich, daß ich Marie am Tage, nachdem ſie mir vorgeſtellt worden, fragte, ob ſie nicht denke, Sie beſitzen ein einnehmendes Geſicht; Marie antwortete mir, ſie habe Sie nicht genug angeſchaut, um darüber urtheilen zu können.

Man kann ſich vorſtellen, wie wehe mir dieſe Worte thaten, denn nie hatte meine Eitelkeit einen ſo empfindlichen Schlag erlitten. Meine Demüthigung entging ohne Zweifel Lady Delafield nicht, denn ſie fügte bei:Als wir das zweite

.