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nöthigenfalls Schutz zu verleihen, folgte Fortunat ihr auch dort⸗ hin. Sonderbarerweiſe ſtieg des Lieschens Furcht immer mehr. Obſchon von dem Beſchützerarme ihres Lieblings umrankt, drang ſie immer tiefer in das Dickicht, die ängſtliche Jungfer. Fortunat konnte ſie zwar nicht beruhigen, aber auch nicht verlaſſen. Er verſtand durchaus nicht die abſonderliche Ge⸗ müthsſtimmung ſeiner Freundin, und dieſe verſtand wahrſchein⸗ lich auch die ſeinige nicht. Denn auf einmal— nach den Bangigkeiten einer vollen Dreiviertel⸗Glockenſtunde— wurde ſte unwirrſch, ſpitzig, ſpöttlich.... und die ſich kurz zuvor wie eine blöde Taube an ihres Jünglings Brüſt geflüchtet, ſtieß jetzt mit Hohn und groben, ja groben Worten denſelben Jüngling zurück, und floh nun vor ihm, wie erſt zuvor vor den Leuten auf der Gaſſe. Troſtlos, perpler, ihrer böſen Launen Beweggrund nicht faſſend— wer auch kennt ſich in Weiber⸗ launen aus?— folgte ihr Fortunat aus dem Garten, wie hinein, aus dem Quergäßchen, wie in daſſelbe. Kein Bleiben mehr, kein Händedruck... ſtatt alles deſſen ein ſchnödes kurzes„Gute Nacht“— vor der Naſe Fortunat's flog Lies⸗ chens Hausthür zu— ein boshaftes Lachen hinter der Thüre dann war's aus, ſtill, ſtumm,... und in tiefen be⸗ ſchwerlichen Gedanken, mit keuchender Bruſt und die Seele voll banger Zweifel kehrte Fortunat nach der Schreibſtube um, worinnen er das Licht, an deren Thür er den Schlüſſel gelaſſen hatte, wie ein ächter Verliebter, der auf Himmel und Erde vergißt, wenn er ſeiner Theuern Stimme, oder auch nur das Rauſchen ihrer Gewänder vernimmt.— Das Licht brannte mit dickem Butzen, die Thüre war anſtändig zu, der Schlüſſel
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