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4) Eine dito bittre Erfahrung aus Fortunats ſechzehn⸗ tem Lebensjahre.— Die Mutter hätte gern geſehen, wenn er ein Handwerk erlernt hätte.„Ein Handwerk hat doch immer ſeinen güldnen Boden 5“ ſagte ſie ihrem ſeligen Groß⸗ vater nach, der das Sprüchlein, zur Zeit, da es noch etwas galt, täglich im Munde geführt. Ihr lebendiger Mann jedoch, Fortunat's Vater, meinte:„Nichts da; der Junge muß ein Schreiber werden. Den Federfuchſern, Pfefferſäcken und Gaſt⸗ wirthen gehört jetzund die Welt. Zu ihnen fliegt jetzt der armen Leute ganzes Geld. Ein ehrlicher Mann kommt auf ſeiner Profeſſion heutzutage nicht mehr fort. Du ſiehſt's an mir, Hanne.“— Hierauf hatte die Mutter im Stillen geſeufzt und geweint, und nachgegeben. Ihr Mann hatte allerdings Recht. Den Wirthshäuſern trug er ſein meiſtes Geld zu; was übrig blieb, bekam der Winkeladvokat, der mit den Gläu⸗ bigern ſcharmützelte, und der Krämer, der den täglichen Schnaps und Tabak lieferte.— So wurde denn Fortunat zu einem Notar gegeben, und kopirte friſch drauf los, was er nicht verſtand. Er hätte ſich auch gewiß in eine brave Kopirma⸗ ſchine verwandelt, wenn nicht ſein Herz lebendig geworden wäre. Mit ſeinem ſechzehnten Jahre kam die Liebe über ihn. Der Notar hatte einen Nachbar, der Nachbar eine Tochter, und dieſe Tochter Lieschen eine empfängliche Seele, und ein chriſtlich Gemüth, dem das Gebot:„Liebe deinen Nächſten, wie dich ſelbſt⸗ über Alles ging. Ein berſtohlen aber um ſo innigeres Band verknüpfte bald das Lieschen und den For⸗ tunat. Das platoniſche Semeſter war beinahe ſchon abſolvirt, als leider das neidiſche Schickſal mit tückiſcher Klaue den Bun⸗


