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Band 4 (1847) Band 4
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ſohle ein völlig rundes Löchlein laufe, von der Größe eines Louisd'vr.

Er hatte die ſüßen Verheißungen mit gehörigem Reſpekt und Zutrauen aufgenommen, und in ſeinem achtzehnten Jahre war die Summe ſeines Glücks folgende:

1) Sieben glücklich vernarbte Löcher im Kopf, und eine gute Schramme im Geſicht, die ihm ſein beſter Spiel⸗ kamerad mit einem Ziegelſtein angeworfen.

2) Eine gute Handvoll Schulatteſte, die keineswegs von hohem Fleiß und ſtarker Befähigung redeten, wohl aber viel von Zerſtreuung, Leichtſinn und eng gezogenen Verſtandesgränzen.

3) Eine bittre Erfahrung aus Fortunat's vierzehntem Lebensjahre. Da ſeiner Eltern Vermögensumſtände ihnen nicht erlaubten, den Sohn über die ſo⸗ und ſobielte Klaſſe hinaus ſtudiren zu laſſen, hatten ſie ihn zu einem Kaufmann in die Lehre gethan. Anſtellig und ehrlich, war er bald mit ziemlich wichtigen Aufträgen betraut worden. So war er einmal gegangen, um ein paarhundert Gulden einzukaſſiren. Das Geld war in Banknoten bezahlt; die Banknoten in einem Unſchlag verwahrt. Nichtsdeſtoweniger hatte Fortunat bald Mittel gefunden, den Umſchlag ſammt Banknoten aus der Taſche zu verlieren. Wenn das Geld ſeinen Finder hatte, ſo war's doch nicht der ehrlichſte geweſen, denn die Papiere kamen nicht mehr zum Vorſchein. Der Kaufmann war wie Kaufleute gewöhnlich allzuedelmüthig, um von den Eltern Fortunats, die ohnehin nur allzuſchwer verſchuldetden Erſatz zu fordery, aber auch allzuklug, um den jungen Menſchen im Dienſte zu behalten. Mit der Handelſchaft war's alſo zu Ende.