42
einer; in der folgenden Nacht warf der Poſtknecht den Wagen um, daß er zerbrach. Auf einem elenden Vorſpannfuhrwerk lotterte Hermann ſeiner Heimath zu.— Endlich, endlich am Abend des dritten Tages kam er an. Seit dem Abgang von Dorotheas Brief waren indeſſen ſieben Tage dahin geſchwun⸗ den, und ſchon ſeit dreien lag der alte Redenbach im kühlen Grunde.
Das Sterbhaus öde, die Werkſtatt leer und verwaiſt. In der niedrigen Wohnſtube niemand, als Dorothea im ſchwarzen Gewand! Welch ein Wiederſehen! Die Schweſter wollte dem gelehrten und reichen Bruder die Hände küſſen. Er nahm ſie an ſeine Bruſt.— Alles vorbei? fragte er troſtlos.— Lei⸗ der, antwortete ſie: es wurde gar geſchwinde mit ihm aus. Gott wollte es ſo. Gott hat ihm in der letzten Stunde noch
eine Freude gemacht.— Welche?— Er ſchickte ihm einen Engel in Ihrer Geſtalt, Herr Bruder.— Ach, Dorothea, laß
doch das„Sie“ bei Seite. Was fällt Dir ein? Sind wir nicht Geſchwiſter?— Ja wohl, ja wohl,. aber. die lange Zeit... Sie ſind... Du biſt uns ſo fremd geworden!—
Und als wolle ſie die ſeit Jahren zurückgedrängte Liebe an ihm mit Begierde auslaſſen, umarmte die Schweſter den Bruder feſt, und vergaß von dem Augenblick nicht mehr das trauliche„Du.“
Ja! fuhr ſie fort: als der Vater im Todeskampf lag— er wurde ihm leicht— da hatte er, der mich nicht mehr er⸗ kannte, immer nur mit Dir zu thun; Dein Name wurde hundertmal von ihm genannt. Mit Dir redete er, Dich ſegnete er, Dich glaubte er zu umarmen. Ich wäre faſt darüber
1.


