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Die Schweſter ſchrieb:„Werthgeſchätzter Herr Bruder „Ich weiß nicht, wie Sie dieſen Brief aufnehmen werden. Sie „ſind, wie ich mit Freuden vernommen, ein ſehr gelehrter und „reicher Doktor geworden. Unſer guter Vater hat bis heute „täglich mit Andacht für Sie gebetet, und auch ich hab' es, „wie eine Schweſter ſoll, gethan. Wenn dieſes Gebet vom „Himmel erhört worden iſt, ſo werden Sie vielleicht auch „meine Bitte erhören und ſo bald als möglich zu uns kom⸗ „men. Der Vater iſt gefahrlich krank, ſagt der hieſige Dok⸗ „tor, und wünſcht, Sie noch einmal zu ſehen. Ich wünſche „noch obendrein, daß Sie ihn wieder herſtellen; denn, wie ich
„mir habe ſagen laſſen, ſo hat es Ihnen noch mit keiner Kur
„gefehlt. Kommen Sie alſo um Gottes Barmherzigkeit willen. „Wir ſind zwar gegen Sie geringe Leute, aber doch ſind wir „ein Blut, und der alte Mann jammert viel nach Ihnen⸗ „Sott mache es gut mit meiner Bitte. Ihre unterthänige „Schweſter Dorothea.“
Redenbach ließ ein paar heiße Thränentropfen auf das Blatt fallen, und beſtellte alſogleich die Poſt.— Mit welcher Demuth ſie mir ſchreibt! ſeufzte er, bitterböſe gegen ſich ſel⸗ ber: und nicht ein Vorwurf, nicht ein Wort verdienter Krän⸗ kung, verdienten Tadels! Ach Gott, wie brap iſt ſie, und wie ſchlecht bin ich, der ſeines alten Vaters und all der Seinigen ſo ſchnöde vergeſſen konnte! Fort jedoch, fort, und keinen Au⸗ genblick verloren!
Der Doktor eilte freilich, trieb an, was er konnte. Da⸗ zumal jedoch war die Poſt ein gar langſam Ding, fuhr man auch mit Extrapferden. Ein Tag verging, und darn wieder


