6
Freiheit nimmt.— Der Handelsherr reichte dem Arzte einen koſtbaren Diamant.
Diesmal jedoch nahm Hermann das dargebotene Geſchenk nicht an, ſondern fragte ſtaunend: Ein Pfand der Dankbarkeit? von Herrn von Maſchewsky? für die Wiederherſtellung unſe⸗ rer Klementine?
Nun ja; ſagte der Vater leichthin, als ob ſich das vom erſten Tage der Schöpfung her verſtände: Es iſt billig, daß der Bräutigam ſich freue der Geneſung ſeiner Braut, und dem gelehrten Manne danke, der ihm die zukünftige Gattin, ſchon jetzo ſeines Lebens Freude, erhielt?
Todesbläſſe überzog des Doktors Geſicht. Maſchewskh hingegen, ſchadenfroh und zornigen BVlicks den Armen betrach⸗ tend, wurde glutroth. Der Kaufmann räuſperte ſich und machte ſich auf einen harten Stand gefaßt.
Die Braut? die zukünftige Gattin? ſtammelte Redenbach wie vernichtet. Die Stube ging mit ihm im Kreiſe.
Freilich, freilich; entgegnete der Hausherr rauh und ge⸗ bieteriſch: Was iſt da lang zu fragen, was ſich lange zu ver⸗ wundern, Herr Doktor? Bei uns alten Bürgern iſt noch der alte Brauch, daß die Väter ihrer Töchter Hochzeit ſtiften; verſtanden? daß die Töchter dem Vater gehorſamen; verſtanden? Iſts nicht ſo recht? Ich halte auf alten Brauch und alte Sitte, Herr Doktor. Dieſen Ring alſo...7
Er wollte ihn an des Doktors Finger ſchieben. Hermann ſtieß jedoch die Gabe mit unverholenem Abſcheu zurück und verſetzte ſtolz und gefaßt, da der ſteigende Zorn ihm die nöthige Stärke verlieh: Ich habe dieſen Ring nicht verdient; Herr
1


