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Band 2 (1848) Band 2
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dünkte, ohne ſich um Ort, Zeit und anweſende Perſonen zu kümmern; wenn aber die weiblichen Dienſtboten des Palaſtes zu widerſprechen wagten, ſo ſchlug ſie dieſelben.

Eben damals hatte ich ein Verhältniß mit Signora welche, da ſie Margarita einmal zufällig traf, ſich beigehen ließ, dieſer zu drohen; ſie hatte früher ſchon von unſerem Spazierritt gehört und es übel vermerkt. Margarita aber riß ihr den Schleier ab und rief:Sie ſind ſo wenig ſeine Frau als ich! Sie ſind ſo gut wie ich eben auch nur ſeine Geliebte! Was haben Sie alſo für ein Recht, mir Vorwürfe zu machen? Wenn er mich mehr liebt, als Sie, ſo iſt das nicht meine Schuld. Wenn Sie ihn ſicher hüten wollen, ſo dürfen Sie ihn nur an Ihr Rockband feſiſchnüren. Glauben Sie ja nicht, daß Sie, weil Sie reich ſind, mir Vorwürfe machen dürfen, ohne daß ich etwas darauf erwiederte. Und nach dieſer Zungenprobe ließ ſie die Signora umringt von Leuten, die der laute Zank herbeigerufen hatte, ſtehen.

Sie hatte hundert widerſinnige Einfälle und Launen. Ihr Faziolo ſtund ihr zum Entzücken, aber dennoch wollte ſie durchaus einen Hut mit Federn: ich mochte ſagen und vor⸗ ſtellen, was ich wollte, es half Alles nichts. Dann wollte ſie ſich als vornehme Dame kleiden; ſie mußte ein Schlepp⸗ kleid haben und ſchleppte den verdammten Schweif überall mit ſich herum.

Sie liebte mich bis zum Uebermaß. An einem Herbſt⸗ tage war ich zum Lido hinausgefahren und beſtand auf der Heimkehr einen gefährlichen Sturm. Die Gondel war voll Waſſer, das Ruder zerbrochen, der Sturm' in vollem Raſen,