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Band 2 (1848) Band 2
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der Regen goß in Strömen, und ſchon überfiel uns die Nacht, als wir endlich doch Venedig erreichten. Schon von fern ſah ich Margarita, wie ſie mit aufgelösten Haaren und roth geweinten Augen im hellen Regen auf den Stufen des Mo veenigo ſtand. Mit ihrem blaſſen Geſicht und ihren über das tobende Meer hinſchweifenden Augen glich ſie nicht übel einer Medea oder einer Sturmgöttin. Kein anderes Weſen begrüßte uns bei unſrer Ankunft. Als ſie mich ſah, ſprang ſie nicht, wie ich erwartet hatte, auf mich zu, ſondern ſie rief: Ah! can della Madonna, no esta il tempo per andar al Lido, und ſchlug nun auf Alle, Gondoliere und Bedienten los.

Bhron ſagt nicht, ob er ſelbſt auch geſchlagen wurde, doch zweifle ich kaum daran. Im Theater, ſagt Voltaire, wird Mancher ausgepfiffen, ohne es zu wollen. Mancher bekommt Schläge, der es nicht will, konnte Bhron ſagen.

Wir kehrten in der Nacht, beim ſchönſten Mondſchein, zurück. Redet mir nicht vom Colliſeo in der Mondſcheins⸗ beleuchtung. Den ſchönſten Anblick bei Nacht bietet Venedig dar mit ſeiner ernſten, vrientaliſchen Stille, mit ſeinen Paläſten, die ſich im Waſſer ſpiegeln, ſeinen ſilbernen Kuppeln, dem feierlichen Geläute ſeiner Glocken. Der Mond iſt die Sonne der Ruinen; nur nach Sonnenuntergang darf man dieſe

untergegangene Stadt noch betrachten.