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Wir hörten immer noch zu.—„Meine Herren, Sie haben nur drei und fünfzig Auſtern verzehrt. Das Stück zu einem halben Zwanziger, macht ſieben und zwanzig Zwanziger.“
Dieß waren ihre letzten Worte. Wir fanden zwar die Auſtern ein wenig theuer, rechneten aber eins ins andere und bezahlten ohne Widerrede.
Dieſe Auſternverkäuferin hatte ihren pvetiſchen Lebens⸗ moment gehabt. Byron ſelbſt, der erhabene Dichter, hatte nie einen ſo ſchönen Einfall, als Margarita mit ihrem Lebe⸗ wohl und ihrem Sprung ins Meer. Die Liebe macht den Dichter
Byron ſelbſt hat einige Nachrichten über Margarita ge⸗ geben, die aber nicht überall mit Obigem übereinſtimmen; ſo z. B. berichtet er nicht, daß er ſie ſelbſt gerettet habe.. doch mögen hier noch einige Züge aus Bhrons eigener Be⸗ ſchreibung folgen:
„Sie behauptete eine Herrſchaft über mich, die ich ihr zwar oft ſtreitig zu machen ſuchte, aber immer ohne Erfolg. Dieſe Herrſchaft verdankte ſie ihren ſchwarzen Augen, ihrer ernſten, ausdrucksvollen Phyſiognomie; ſie war eine ächte Venetianerin in ihrer Sprache, ihren Gedanken, ihren Manieren, ihrer tollen Ausgelaſſenheit. Da ſie weder leſen noch ſchreiben
konnte, ſo war ich auch vor einer langweiligen Korreſpondenz ſicher. Doch erhielt ich, als ich einmal krank war, zwei Briefe, die ein Notar*) geſchrieben hatte. Stolz, herrſchſüchtig, eigenmächtig und anmaßend, that ſie nur das, was ihr gut
*) In Venedig halten die Notare Buden, wo auf Verlangen Briefe geſchrieben werden.
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