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Band 2 (1848) Band 2
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eſſen erwartete. Die Bedienten ſchauten mich mit weitaufge⸗ riſſenen Augen an und ich ſchämte mich vor ihnen; er aber, der mich noch liebte*), nahm meinen Arm und führte mich in ſein Zimmer.

Sobald er die Thüre hinter uns geſchloſſen hatte, gab er mir einen türkiſchen Kaſchmirſhawl und hieß mich meine Kleider zum Fenſter hinauswerfen; er wollte mit mir zu Nacht eſſen, aber meine armſelige Kleidung war ihm nicht feſtlich genug.

Ich war ſehr in Verlegenheit. Meine lumpige Mantille ließ ich ſogleich fallen; ich verſteckte mich hinter einen Vorhang, häkelte meinen Rock auf und war entſchloſſen, nicht weiter zu gehen; aber er ſchien ungeduldig zu werden und ich ließ meinen Rock auf den Boden fallen.Eilt Euch ein wenig, rief er,denn ich erwarte Euch zum Nachteſſen. Nie wäre ich fertig geworden, wenn nicht er ſelbſt mir ein wenig gehol⸗ fen hätte. Nur zu, meine Herren, eſſen Sie noch ein paar Auſtern.

Den andern Tag, fuhr die Auſternverkäuferin fort, benachrichtigte er mich, daß ein Gondel unten halte, um mich zu meiner Mutter zu bringen.Ich gehe nicht, rief ich. Er bat, befahl ich blieb unerſchütterlich. Nie könnte ich mich am hellen Tage auf dem Rialto zeigen; meine Mutter würde mich ſchlagen; aber nicht meine Mutter ſcheue ich, ſondern den hellen Sonnenſchein.Nun, nun, ſagte er, indem er mich küßte,ſo geht Ihr dieſen Abend, wenn die Sonne untergegangen iſt.Nie!. rief ich voll Angſt.

*) Es liegt in dieſen Worten, der mich noch liebte, eine unbeſchreibliche Naivetät.

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