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Band 2 (1848) Band 2
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Wir verlebten den Tag in Luſt und Trauer. Was wollen Sie? er unterhielt ſich und langweilte ſich mit mir. Ich wußte nichts mit ihm zu reden, außer daß ich ihn liebte und für ihn ſterben möchte.

Als der Abend da war, nahm er mich freundlich bei der Hand und ſagte:Adieu! die Sonne iſt verſchwunden! Adieu! Auf baldiges Wiederſehen!

Ich konnte nicht widerſtehen und ließ mich wie ein Kind von ihm führen. Als wir an der Treppe waren, be⸗ deutete er mir, ich ſollte in ſeine Gondel ſteigen; der Gondo⸗ lier wartete meiner, das Ruder in der Hand.Leb' wohl, rief ich mit entſchloſſener Miene und ſprang in den Kanal...

Meine Herren, ſchmecken Ihnen meine Auſtern nicht?

Sie begreifen wohl, fuhr die Frau fort, daß ich nicht zu lange im Waſſer blieb. Er ſelbſt rettete mich. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in ſeinem Zimmer; ein Arzt war zugegen⸗ und er ſelbſt hielt mir den Kopf mit der Zärtlichkeit eines Bruders. Mein Sprung ins Waſſer hatte ihn bis zu Thränen gerührt.Margarita, ſagte er voll Empfin⸗ dung,Du bleibſt immer bei mir.Immer, flüſterte ich traurig. Das Immer des Lords dauerte ſechs Wochen, ſechs Jahrhunderte freilich, wenn man unſer Glück in Anſchlag bringt. Was für ſchöne Tage! Wie zärtlich, wie luſtig, wie toll waren wir!

Alle Tage fuhren wir in meiner lieben Gondel, in der ich mein Glück verborgen genießen konnte, nach irgend einer entfernten Inſel, häufig nach dem Lido, wo wir jenes ſchöne

Pferd wiederfanden, das uns jedesmal mit freundlichem Wiehern 5