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„Es war hier, vor langen Jahren; ich tanzte dort wie jene Mädchen; er ritt zuerſt unten am Ufer und kam dann auf dem herrlichen Thiere, deſſen Hals ich oft geküßt habe, mitten unter die Tänzer. Ich war die tollſte, ausgelaſſenſte, in ſeinen Augen die ſchönſte.
„lleberlaßt mir das hübſche Mädchen,“ ſagte er zu meinem Tänzer,„„überlaßt ſie mir, ich will ſie zu Pferd tanzen laſſen.““
„Mein Tänzer warf mich dem Lord zu, der mich an ſeine Bruſt drückte und ſein Pferd ſpornte. Ach! was für ein ſchreck⸗ licher Tanz! Ich fürchtete mich ſo ſehr, zu fallen, daß ich keine Furcht mehr für meine Tugend hatte und mich an meinen Reiter anſchmiegte wie ein Kind an die Mutter.
„Ich ſaß zum erſtenmal zu Pferd: ich glaubte mich von einer brandenden Woge getragen und zitterte jeden Augenblick, ins Meer zu ſtürzen. Alles war wie in einem Feenmährchen.
„Es war Abend, die Sonne war hinunter, ich hörte die fröhlichen Lieder zwiſchen dem Galopp des Pferdes und dem Brauſen der Wogen. Ich ſtieg endlich vom Pferde und wurde
in eine von Sammet und Seide ſtrotzende Gondel gebracht. Ah!
dieſe Fahrt! Sie eſſen nicht mehr, meine Herrn?“
Wirklich verſchlangen wir dieſen prächtigen Roman, den ſie uns in ächt venetianiſchem Dialekt erzählte, als ob er aus dem Munde des Dichters ſelbſt käme.
Sie fuhr nun fort:
„Wir landeten an dem Palaſt Moocenigo. Ich zitterte wie Espenlaub; ich war ſelig, beſtürzt, außer mir. Hier ein Palaſt, ein großer, vornehmer Herr, Bediente, während mich
meine Mutter, eine Fiſchverkäuferin, in unſrer Hütte zum Nacht⸗ N


