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Niemand wundert ſich mehr, wie einſt, daß die Gondeln nur mit ſchwarzem, goldbeſterntem Tuch ausgeſchlagen ſind: Es war dieß die Farbe der Republik, und bezeugt jetzt die Trauer um die verlorne Selbſtändigkeit.
Nur die Todten haben das Vorrecht, ſich in rothen Gondeln zum Kirchhofe führen zu laſſen; roth iſt die Farbe des Blutes,— es iſt die letzte Fahrt, um die ſich Niemand ſtreitet.
Die Malibran haßte die ſchwarze Farbe als einen Vor⸗ boten des Todes: einſt erſchien ſie in grauer Gondel an der Piazetta,— Alles kam in Aufregung,— zum erſtenmale in ihrem Leben mußte ſie ſich auspfeifen hören.
Es gibt nichts angenehmers, als eine ſolche zweckloſe Fahrt in dieſem Labyrinth, das den Namen Venedig trägt. Der Gondolier hält den Faden der Ariadne. Dieſes behag⸗ liche Schaukeln erweckt die ſonderbarſten Träumereien: man iſt nicht mehr auf dieſer Erde,— man iſt in einem Eliſium und wird nur hie und da durch die melodiſchen Ausrufungen des Gondoliers: castellani— nicolotti aufgeſtört, ſonſt könnte Charon ſelbſt ſeine acherontiſche Reiſe nicht ſtiller und ſchweig⸗ ſamer fortſetzen.
Vor allem Anderen aber verſäume Niemand nach Chioggia zu fahren, denn dort ſchlägt noch das Herz venetianiſch, dort hat mehr als ein Mitglied der ſchrecklichen Zehnerkommiſſion ſeine Bluturtheile beim Liebesgetändel vergeſſen, dort hat Titian Origi⸗ nale für ſeine ſchönſten Gemälde geſucht, dort Leopold Robert ſeine Schiffergruppe ſkizzirt, dort Goldoni ſeine beſten Witze
für die gare chiozotte geſammelt. Auch verſäume Niemand


