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zu geben.
Vor Venedig verſtummt ſogar das vierte Buch des Child Ha⸗ rold, verbleichen die Farben eines Canaletto, dieſes Landſchafts⸗ malers einer Gegend ohne Land. Nur Venedig ſelbſt iſt im Stand, eine genügende, entſprechende Vorſtellung von Venedig
1 Beim Anblick dieſer Stadt fühlt man fich verſucht, mit
den Hallen deiner Paläſte zurückfließen ſehen!“
dem Propheten vor Thrus auszurufen:„Wie ſeid ihr unter⸗ gangen, ihr, die ihr das Meer bewohnet! O du Stolze! die Inſeln werden erſchrecken, wenn ſie nur die leeren Wogen aus
Wer könnte ſich beim erſten Eintreten in dieſe berühmte Stadt eines melancholiſchen, ſchmerzlichen Gefühles erwehren? Der Löwe von St. Markus wird von nordiſchen Barbaren in einem eiſernen Käfig gefangen gehalten; das adriatiſche Meer, das Meer der Dichter, welches einſt in jenen ſchönen Zeiten koſend die Marmorſtufen der ſtolzen Paläſte beſpülte, die Wiege der reizenden Violante, iſt düſter und mürriſch geworden, ſeit⸗ dem es nur noch verlaſſene, öde, lieb- und luſtloſe Paläſte zurückſpiegelt. Volk der Republik, wo biſt du? Biſt du jener muthloſe, feige Haufe, der auf den verwaisten Stufen des Do⸗ genpalaſtes ſchlummert? Volk der Republik, was haſt du aus deiner Mutter gemacht? Du haſt die ſchöne, lieblichduftende Tochter des Adria⸗Meeres der brutalen Zudringlichkeit fremder Eindringlinge überlaſſen; dieſe haben ihr keuſches Bett be⸗ ſchimpft, ſie mit frebelnder Hand in Ketten geſchlagen, mit Ruthen gezüchtigt wie eine feile Dirne. Und du Volk der Repu⸗
3 blik haſt dich nicht erhoben, um zu ſterben, wie der Dichter ſagt:
Wer überlebt, wird frei, wer aber ſtirbt, iſt frei! Der Erzähler 1848. I. 20


